Bill Orcutt – How The Thing Sings

Und dann dringt doch ein Song durch. Bill Orcutt ist ein cleveres Kerlchen. Er mischt seine Noiseattacken, die er mit einer Gitarre verbreitet, mit klassischer Songstrukktur. Es gibt verschiedene Teile, die man als solche erkennen kann. Eine Bridge hebt sich von einer Strophe ab, die schon mal mit Gejodel als gesangliche Untermalung angereichert wird und es gibt wiederkehrende Parts, die man als Chorus bezeichnen könnte. So müsste doch jeder Verständnis aufbringen. Denkste!
Alles in einer Liveatmosphäre aufgenommen. Ohne Zuhörer. Nur der Raum klingt mit, da das Mikrofon soweit aufgerissen wurde, um jeden Rutscher auf der Gitarre und jeden Knackser des Hockers zu hören. Bill Orcutt bietet natürlich keine leichte Kost an. Früher bei Harry Pussy drosch er seine vierseitige Klampfe und lobte Krach aus. Heute geht es sogar mal ruhiger, akustischer zu. Aber leicht? Nein!
Kleine Teile werden sanft gezupft. Ein Hauch von Garagen-Folk weht durch die Brandung. Einige Stücke wirken sehr romantisch. Dass sie dann irgendwann ausbrechen und mit schnellen Wendungen das Weite suchen, macht den Entwurf Orcutts’ nicht schmerzhafter. Alles hat den Retrocharme eines Jugendzimmers. Wie auf einem Kassettenrekorder aufgenommen.
Melancholische Momente mischen sich also mit wütenden Ausbrüchen, die so schnell passieren, dass einem öfter der Atem stockt. Orcutt provoziert und doch rudert er gerne mal zurück, gibt dem Affen Zucker und versteckt sich in der Ecke. Einer schreit:” John Fahey”. Orcutt nutzt die Verwirrung, um sich zu befreien. Seine Art des Homerecordings lotet neue Klänge aus. Sehr roh hallen die Töne durch ein leeres Wohnzimmer. Vier Saiten reichen anscheinend immer noch, um den Blues zu huldigen, ihn umzumodeln und draus etwas, wie ein dramatisches Gerinnsel zu machen. Nichts für romantische Stunden! Stark!
Erscheint am 20.9.2011 bei Editions Mego.
Bill Orcutt – How the Thing Sings – Lost They Book (editions mego) by pdis_inpartmaint

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