Resonanzraum Fagus – 10 Maschinenkompositionen

Zuweilen findet man Veröffentlichungen, die allein durch ihre außergewöhnliche konzeptionelle Genese hervorstechen. Das Fagus-Werk in Alfeld, das in diesem Jahr seine Erhebung in den Rang einer UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte vermelden konnte, wird nun auch in seinem architekturgeschichtlichen Ausnahmerang mit einer klangkünstlerischen Veröffentlichung gefeiert. In Kooperation mit der Universität Hildesheim liegt jetzt eine Compilation verschiedener elektro-akustischer Arbeiten vor, die sich auf die Klangeigenschaften der Werkräume beziehen. Die unterschiedlichen Kompositionen eint die ausschließliche Verarbeitung von Arbeits- und Maschinengeräuschen aus dem Fagus-Werk.
Das akustische Rohmaterial war zuvor vom bemerkenswerten Geräuscharchiv des „Instituts für Musik und Musikwissenschaft“ der Universität Hildesheim zusammengetragen worden. Die Ergebnisse decken ein breites kompositorisches Spektrum ab. Während in einigen Stücken der Raum der Werkhalle zentrales Thema ist, kollagieren andere Kompositionen alltägliche Arbeitsgeräusche zu mehr oder weniger dichten rhythmischen Geflechten. Auch die elektronische Transformation der Klangproben wird thematisiert. So spannen die zehn vorliegenden Maschinenkompositionen einen weiten Bogen von dem Fieldrecording entlehnten Raumklangthemen bis zur mikroskopischen Feinverarbeitung von kurzen Samples.
Es fällt schwer aus einer überdurchschnittlichen Auswahl ambitionierter Kompositionen einzelne hervorzuheben. Dennoch beeindruckt besonders „Makro“ von Sebastian Kunas. Ein Stück, das die Werksgeräusche mit Hilfe eigens programmierter Software-Instrumente stark raffiniert und so eine überzeugende Improvisation zu Nähe, Distanz und mithin also Räumlichkeit schafft. Insgesamt stellt „Resonanzraum Fagus“  eine Auswahl experimentierfreudiger Kompositionen dar, die nicht nur wegen ihres Konzeptes gelobt werden sollte.
“Resonanzraum Fagus” ist beim Institut für Musik und Musikwissenschaft der Universität Hildesheim erschienen.

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