Woher kennst du eigentlich die Beatles? Frank Werner gibt Antwort.

Jahrgangsgeräusche hat sich zur Beantwortung dieser Frage GastautorInnen eingeladen, die ohne Reglementierungen ihre Beiträge einreichen konnten und auch weiterhin noch können. Schön zu sehen, wie unterschiedlich sie das bewerkstelligen.
Frank Werner ist Produzent und Mitbegründer des Labels Fast Weltweit, dessen Beteiligte seit 1985 für Furore sorgen und als Kollektiv deutsche Musikgeschichte schrieben. Auch auf Facebook gibt es Aktuelles und Vergangenes. Werde Fan!

1963 - Erika Werner, Frank Werner, Wolf Werner, Hans Waltoff © Werner

John, Paul, George und Ringo hießen die Wellensittiche meiner Eltern. Sie waren meine Familienmitglieder.
Bad Salzuflen, 1965. Ich war gerade fünf Jahre alt geworden. Eine kleine Küche in der Dachetage einer Altbauwohnung. Im Radio dudelte BFBS, der lokale Sender der britischen Rheinarmee aus dem nahe gelegenen Herford, und meine Eltern hörten Schallplatten von den Kinks, Beatles und Stones. Meine Mutter war „British-Fan“. Ein großes „Bravo“-Poster der Fab Four schmückte die Wand und in einem Käfig zwitscherten die Stars. Ich konnte die besagten Herren auf dem Poster namentlich genau zuordnen – mein Herz gehörte aber den vier Käfig-Insassen, vor allem Ringo. Der trug an seinem Bein einen kleinen Ring. Dort hatte sich eine Entzündung gebildet, die ihm schwer zu schaffen machte. Ich transportierte den Vogel in einem Pappkarton zum benachbarten Tierarzt Dr. Begemann in der Ahornstraße. Der Doktor entfernte in seiner ruhigen Art dem kleinen Patienten seinen Ring. Der dankte es ihm mit einem kräftigen Biss in den Finger, flog in der Praxis umher und musste wieder eingefangen werden. Herr Begemann schimpfte dabei sehr. Seinen Sohn Bernd lernte ich erst viele Jahre später im Schulzentrum Lohfeld kennen.

1965 - Frank Werner, Erika Werner © Werner

Ich hatte mit meinen jungen Eltern viel Glück. Sie hatten eine gewisse Leichtigkeit und Herzlichkeit, die mir vieles ermöglichte. Im Umgang mit anderen Erwachsenen gab es mehr Probleme. Der Kindergarten in der Schießhofstraße machte z. B. Ärger, weil ich lange Haare hatte. Meine Mutter wurde zur Leiterin der Einrichtung zitiert. Jungs mit langen Haaren galten als Anschlag auf das geistig-moralische Empfinden. Sie blieb resolut und ging auf den Appell der älteren Dame nicht weiter ein, sondern meinte, es würde sie „nichts angehen“.
Ein Streitthema in der Familie war „Augsburger Puppenkiste oder Beat-Club?“. Das lief fast zeitgleich im TV. Ich habe mich recht oft durchsetzen können, natürlich um „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ zu sehen.
Der Zugang zur Musik entwickelte sich bei mir erst später. Ich durfte ein altes hölzernes Radio meiner Großeltern „übernehmen“. Es war ein Gerät mit Röhren und leuchtete magisch im Dunkeln. In vielen Nächten erforschte ich über Mittel- und Kurzwelle andere Welten; ich durfte dabei natürlich nicht erwischt werden, ich sollte ja eigentlich schlafen und meine Eltern waren sehr direkt, auch in der Kritik.
Irgendwann wanderten die Platten der „Alten“ in meine Sammlung und wurden Stück für Stück entdeckt: „Rubber Soul“, „Revolver”, „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“.
Dass ich John Lennon ähnlich sah, war mir lange nicht bewusst, trotz langer Haare und der obligatorischen Nickelbrille. Klar wurde mir das erst, als ich einmal in einen voll besetzten Bus einstieg und ein ganzer Schülerchor mir entgegenbrüllte: „John Lennon, John Lennon, John Lennon!“
1982 - Frank Werner © Axel Peter

In den späten Achtzigern besuchten meine Freundin Suse und ich eine größere studentische Lennon-Gedenkparty in Bielefeld. Wir wurden dort angestarrt wie der auferstandene John nebst Yoko persönlich. Das war peinlich und unangenehm. Wir verließen diesen Ort sehr schnell.
Vielen Dank an Volker Koring, Bianca Gabriel und Sarah Wassermair für den Support.
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