Mirko Uhlig – Tupelo

Das Bröckelige trifft das Glatte. Das Raue begegnet dem Schmeichelnden. Das Verzögernde zieht am Dynamischen. Konträre akustische Stofflichkeiten werden in Enge übereinander gefächert. Es entsteht dichte Konfrontationen. Aber keine Seite gewinnt. Gegensätzlicher kann das genreübergreifende Arbeiten kaum sein.
Ein äquatorialer Komposthaufen als Ort für Fieldrecordings ist durchaus ungewöhnlich. Und wieso liegt die Betonung auf der geografischen Verortung? Sind in den Tropen die stofflichen Zersetzungsprozesse intensiver und deshalb akustisch reizvoller? Ist dort etwa die Insektendichte höher? Oder die Artenvielfalt, und damit auch die klanglichen Varianten? Das Entstehen und Vergehen des Lebens als Universalmetapher auf jeden Fall wird weiterhin ein unabgeschlossenes Kapitel bleiben, auch bei Mirko Uhlig.
Somit überrascht diese Metapher im Einsatz einer kompositorischen Arbeit eher nicht. Jedoch wirkt die aktuelle Arbeit des aus Aachen stammenden Klangkünstlers um so komprimierter, je weiter man in die Melange aus Fieldrecordings und ausladenden aber sehr feinen Ambiencen eintaucht. Dramatisierende Bereiche werden ausgelotet, wenn brummende und summende Insekten schwarmartig über feinen Drones ihre unkonzentrischen Kreise ziehen. Das Konzept des Dialogs von geformten und ungeformten akustischen Elementen geht in einer ebenso überzeugenden wie subtilen Komposition auf. Beide Elemente werden gleichwertig und mit Gespür für die feine Abstimmung behandelt. Wegweisend.
„Tupelo“ ist am 15.05.2011 bei Gruenrekorder erschienen.
Mirko Uhlig - Portrait

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