The Coathangers – Larceny & Old Lace

Der Proberaum schimmelt. Außerdem stinkt er nicht nur nach Kippen und schalem Bier, sondern auch nach Männerschweiß. Das scheint die Coathangers nicht zu stören. Sie fühlen sich pudelwohl und karren eine Menge Krimskrams an. Punkelemente, Rockfragmente, Riot Grrrl-Shouts und krummes Tempo.

Die Damen aus Atlanta haben sich ein wenig gewandelt. Früher polterten sie einfach drauflos. Breaks wurden versemmelt, Chords extra neben die Spur gesetzt. Alles wurde aufgerissen, um dadurch den Chick-Charme noch mehr in Position zu bringen. Brettern bis der Arzt kommt. Das dritte Album ist nun etwas zugänglicher. Das klingt jetzt nett, doch wenn du die Songs hörst, verstehst du, was ich meine. Einige Titel dehnen sich immer noch aus. Sie scheren sich nach wie vor nicht nach Komposition. Der Moment zählt. Das Gefühl, das Miteinander. Doch gerne dürfen die Stücke auch mal durchlaufen. Ruhige Momente werden fast andächtig genossen. Die Brüllparts übernehmen sie trotzdem noch gerne. Immer dann, wenn du es gerade nicht willst. Ahhhhhhhhhh.
Sie erinnern in den kräftigen Momenten an Le Tigre, ohne deren Grazilität zu erreichen. Ja, sogar fast poppig wird es zwischendurch. Eine Melodie können sie auch mal zu Ende denken. Alle Mädels singen gerne oder schreien, was halt grad benötigt wird. Die Songs treiben sich selbst an, da braucht es keine Struktur oder Gradlinigkeit. Einige Lieder bleiben ihnen im Halse stecken. Zu wüst geht es zu. Nervig verlaufen die sich im Gender-Zirkus. Akkorde suchen nicht den nächst schöneren, sondern werden durch Zufallsprinzip angeschlagen. Die Gitarrenschule hat doch nicht so viel gebracht. Das kann dann schon mal aufs Ohr gehen.
Immer wenn die Orgel das Zepter übernimmt, gibt es so was wie Ruhe. Kleine Hits verstecken sich in der Mitte der Platte. Auch das Ende ist vielversprechend, da wird es fast musikalisch. Zwischendrin und auch der Anfang sind dann schon mal Quälerei. Leider macht man die Coathangers lieber aus als lauter. Sie sind noch in der Babes In Toyland-Liga, die ja auch mehr genervt haben, als das sie gut waren. Trotzdem eine coole Truppe, die man weiter im Auge behalten sollte.

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