Klassiker: Kate & Anna McGarrigle – Dancer With Bruised Knees

Ich will hier gar nicht erst das Wainwright-Fass aufmachen. Kate McGarrigle muss für sich alleine stehen. Wenn sie jemanden an ihrer Seite braucht, den oder die man nennen sollte, ist das ihre Schwester Anna. Beide waren mal die Vorzeige-Folkfrauen in Kanada und den U.S.A.. Ihre Songs wurden bekannt durch Interpretationen anderer. Leider. Irgendwie alles blöd gelaufen, doch Kate hat sich nie beschwert. Ihre Songs hatten genug Strahlkraft, dass man irgendwann auf sie stoßen musste. Sie fallen dir irgendwann ins Ohr.
Das zweite Album der Schwestern ist ein Klassiker, der wunderbare Songs vereint. Die beiden Schwestern singen traumhaft zweistimmig. Eine groovige Combo unterstützt die beiden tatkräftig, doch gerade die ruhigen Momente, die am Klavier passieren, die nur ein Percussion-Klopfen benötigen oder einen Teppich aus Rosen, bauschen sich ins Unvergessliche. Schön ist auch, wie sich die beiden Sprachen Englisch und Französisch mischen. Alles ist echt. Nichts kommt unnötig aus der Arrangement-Schmiede. Gefühle werden transportiert. Klare Songlinien geben den Stimmen halt, die mit einem Druck aus den Kehlen schießen, dass die Sonne nicht mehr zu scheinen braucht, wenn du sie hörst.

Die Platte klingt trotz des Folkkontextes und der Flöten, die mal zwischendurch Tradition aufkommen lassen, in ihrer Pracht zeitlos. Ein kurzer irischer Abstecher kann da auch nicht mehr viel anrichten. Auch ein Markt-Shanty darf getrost flattern, wie ein kleines Vögelchen. Man verliert sich in der Atmosphäre. Wie im Fluge geht es zu. Eine Melodie setzt sich auf die Flügel und die schlagen geschwind im Takt. Eine mächtige Hammondorgel macht den Teppich. Wie eine Rutschbahn für zwei Stimmen. Nie zu glitschig, nie zu pompös. Männliche Begleitstimmen mischen sich unter die Frauen, nehmen ihnen aber nicht den Platz weg, machen nur das Miteinander noch bunter. John Cale ist nur John Cale.
Walking Song ist vielleicht der Song, der dir, wenn du jetzt noch nicht gefangen bist, die Schuhe auszieht. Du hängst an den Lippen. Du folgst den Worten, jedem doch so cleveren Akkord des Klaviers. Ein Akkordion streift die Seefahrt nur punktuell. Kate und Anna unterstützen sich, da gibt es keinen Zwist. Beide vertrauen sich blind. Die Musik folgt zwei schlagenden Herzen, die wissen, dass Musik eine Brücke sein kann. Die Kraft der Worte, der Geschichten wird in Walking Song überdeutlich. Du willst ihn immer wieder hören.
Du magst es, wenn die Stimme sich aus der Ruhe erhebt, aber auch wieder zurück geht. Auch wenn die Band sich manchmal schon klar an die Songs ran macht und versucht noch mehr Klasse zu schenken, bleibt alles auf einem Niveau, dass es nicht wegzudiskutieren gilt. Zauberei.Tolle Bläser schieben sich an einer Picking-Gitarre vorbei. Schenken dem Folk fast Soul. Ein Schunkler braucht halt eine Mundharmonika. Das sind Gesetze und die McGarrigle-Schwestern sind nicht angetreten, um welche zu brechen. Dancer with Bruised Knees bietet sehr viel an. Tolle Songs, stimmige Texte und ein wahnsinniges Gefühl, dass jedem Akkord ein Krönchen aufsetzt. Sogar Snareschläge dürfen gefeiert werden. Ein Meisterwerk in seinem Umfang. Das Album liegt so zwischendrin. Wie eingebettet. Im Blues, im Folk und einer Idee von traditionellem Pop. Wenn dir Dancer with Bruised Knees passiert, lass es zu. Das Lächeln bekommst du nicht mehr aus dem Gesicht.
Dancer With Bruised Knees ist 1977 auf Warner erschienen.

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