Woher kennst du eigentlich die Beatles? Michael Koch gibt Antwort.

Jahrgangsgeräusche hat sich zur Beantwortung dieser Frage GastautorInnen eingeladen, die ohne Reglementierungen ihre Beiträge einreichen konnten und auch weiterhin noch können. Schön zu sehen, wie unterschiedlich sie das bewerkstelligen.

The Beatles-Fans

Den heutigen Beitrag hat Michael Koch eingereicht. Der US-Amerikaner lebt in Milwaukee/Wisconsin, lehrt an der Carroll University in Waukesha im Fach Deutsch, ist staatlich anerkannter Übersetzer und spielt Schlagzeug unter anderem bei The Mike Benign Compulsion.
Ich nehme den Topf in die Hand und trockne ihn mit einem Tuch ab.  Aus dem Wohnzimmer kommen auf einmal die Töne: „Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band.“  Unsere fünfjährige Tochter hatte die CD aufgelegt.  Während ich mich einerseits über die Technikgewandheit junger Kinder heutzutage wundere, denke ich im nächsten Augenblick daran, dass es bei mir gleichsam des Nachwuchses bedurfte, damit ich endlich mit den Beatles etwas vertrauter werde.
Das bekannte Doppel-CD, „The Beatles / 1967-70“, eine der wohl meist verkauften Alben der Welt, haben wir vor ungefähr einem halben Jahr unserem Sohn zum siebten Geburtstag geschenkt.  Er hatte bereits mit dem Klavierunterricht begonnen, und wir wollten selbstverständlich – als wohlmeinende Eltern – sein musikalisches Interesse fördern.  Kurz danach bestand er darauf, diese Musik zu bekommen, damit er am Klavier „Hey Jude“ spielen könnte.
Als Schlagzeuger kenne ich fast alle Lieder auf diesen beiden CDs vom Radio, aus meiner Jugend und Kindheit.  Allerdings war ich nie dem unter vielen Musikern verbreiteten Wahn verfallen, die Beatles als Halbgötter des Songschmiedens zu verehren.  Das mag zum Teil daran liegen, dass ich nie richtig Gitarre gelernt habe; singen kann ich auch nicht so toll (besonders wenn man meine Frau oder die Sängerin in einer früheren Band von mir fragt).  Es könnte anderen Menschen peinlich sein, so etwas zu gestehen, aber ich gebe zu, dass die späteren Lieder von Paul McCartney und Wings einen mindestens ebenso großen Eindruck auf mich machten.
Also haben mir tatsächlich unsere Kinder die erste Beatles-CD meines Lebens beschert.  Was kann man tun, außer Schmunzeln, wenn ein süßes fünf Jahre altes Mädchen zu „Lucy in the Sky with Diamonds“ lauthals mitsingt?  Ich stelle den trockenen Topf in den Schrank. Zwei Tage später komme ich in meinem Stammcafé an, und höre gleich die bekannten Gesangsharmonien der Beatles.  „I’m gonna love you till the cows come home.“  Wer singt denn so was?  Ich kenne das Lied nicht, das wahrscheinlich wegen dieser fürchterlichen Textzeile kein Hit wurde.  Ich spüre aber, wie vertraut die Harmonien und Melodieführungen wirken.  Wenige Minuten darauf fängt ein Mann in meiner Nähe an, zu „Yesterday“ leise mitzusingen, während er die Sportnachrichten in der Zeitung liest.  Man kann den Beatles kaum aus dem Weg gehen, zumal unzählige Bands immer noch Ideen von ihnen borgen.  Wir kennen ja die Hauptsünder.
Für mich bleiben die Beatles ein Gegenstand, den ich eher aus der Distanz betrachte.  Ich bin zu jung, um eine emotionale Bindung zu den historischen Entwicklungen der 1960er zu haben.  Ich bin kein Komponist, der die Erfolgsrezepte vorangegangenen Bands analysiert.  Ich bin auch kein Engländer, der vielleicht aus Heimatsstolz auf die Leistungen von lokalen Helden hinweist.  Für mich waren die  Beatles eine erfolgreiche und einflussreiche Band, deren Hits man gut beim Abwaschen oder Kaffeetrinken im Hintergrund anhören kann.
Natürlich kannst auch du einen Beitrag einreichen. Schicke ihn per mail an .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.