John Maus – We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves

Synthies kreisen. Sie schieben sich in Mündungen, verharren, ohne sich auszuruhen. Die Disco hat wieder einen Prediger, der sich nicht hinter Türmen und Burgen versteckt, sondern vor ihnen tanzt. Zwar in sich verrenkt, doch mit Inbrunst.
John Maus Stimme bleibt aber in der Versenkung. Entweder schwebt er im Nebenzimmer oder hat Klarsichtfolie um sein Gesicht gewickelt. Immer erst am Ende der Songs wird dir bewusst, wie laut John eigentlich war. Oft ist Johns Stimme nur ein Hall, ein tiefes trauriges Gegacker. Viele fliegende Melodien ziehen an dir vorüber. Eine für den Weg, eine fürs Bett und eine für die Bestattung. Ein knarziger Bass spielt sich immer wieder in deine Weichteile. Rauchige Claps sprengen die Tanzfläche. Eine Kirche weht herüber.

John Maus

Düster geht es zu, obwohl die Musik sonnig rüberkommt. Einer Kellerparty würde das gut stehen. Immer dann erst, wenn Maus sich in Szene setzt, werden die schönen Akkorde zu traurigen Fahnen. Verwehte Backingvocals hauchen nur ein liebliches Goodbye. Große Orgeln haben sich verschiedenste Sounds auf die Tasten geklebt. Eine windschiefe alte Burg wird ausgeleuchtet. Das Gemäuer schimmelt. Oder schimmert es?
Maus braucht den Regen, der ihn noch wässriger klingen lässt. Wavige Parts mischen sich mit Balladeskem. Auf einmal wird John zum Crooner. Mit Samthandschuhen gibt Molly Nilsson eine Duettpartnerin, die Wahrhaftigkeit und Liebe ausstrahlt. Die Zukunft ist ungewiss, klingt aber bei John Maus wie ein Teppich aus Watte. Immer wieder gibt es absurde Schönheiten, die sich am Synthie-Pop reiben, den Strandspaziergang zur heißen Tortur werden lassen. Ein Guss lässt deine Füße aber schnell wieder abkühlen.
Türen werden aufgestossen, ein kurzer Blick hinein genügt, schnell schließt sie Maus wieder, denn es warten noch zehn Schlösser. Sein Dietrich schwächelt. Maus begibt sich auf Sinnsuche. Einsamkeit im Gewande eines Troubadours. Manchmal scheint Maus sich selbst in Vergessenheit zu singen. Seine Worte klingen nur, doch verlieren an Bedeutung und Kraft. Ein Schwelgen, ein Posieren. Nachdem der Fotograf weg ist, versucht Maus, die Kamera zu zerstören. Dunkle Abstriche liegen über Maus’ Seele. Der Beat bleibt straight, Maus weiß es noch nicht genau. Ist er der Pet Shop Boy? Ein Copkiller ohne Body? Für mich ist er ein Engel. Ich weine vor Glück, das glaube ich wenigstens.

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