Chris Watson & Marcus Davidson: Cross – Pollination

Zwei Fieldrecording-Projekte des Cabaret-Voltaire-Mitgründers und BBC-Soundexperten der letzten Jahre werden nun zusammenfassend in einer Kollaboration mit Marcus Davidson vorgestellt. Im ersten Track dampft Chris Watson eine komplette Nachaufnahme aus der namibischen Kalahari-Wüste auf intensive 28 Minuten Naturexotik in vielgestaltigsten Facetten ein. Da tauchen neben Sand, Wind, Vögeln und für mich nicht näher identifizierbaren Tierlauten eben auch zahlreiche Insektenklänge auf, die irgendwann so amorph, fremd und dicht zu bekannten Grillenkonzerten schwellen, dass man sie mit mancher Errungenschaft elektronischer Synthesen verwechseln könnte.
Trotz aller Faszination stolpere ich gleich zu Beginn über einige leichte Windrumpler in der ansonsten exzellenten Aufnahme. Eigentlich möchte ich solche Unsauberkeiten bei Fieldrecordings auf diesem Niveau nicht hören. Aber möglicherweise übertreibe ich auch mit diesem Anspruch. Schließlich stand ich noch nie in der Kalahari, schon gar nicht mit Recorder und Angel.
Mit Track 2 folgt die Steigerung ins Kompositorische mit dramatischer Geste. Den Landbienenstock- aufnahmen Watsons fügt Marcus Davidson mit feinem Einfühlungsvermögen einen fünf-stimmigen menschlichen Chor hinzu. Verstörend und voluminös stehen die Klangmutationen im dicht gefüllten Raum. Bei „The Bee Choir“ wird in Spuren und Spezies verdichtet, nicht im zeitlichen Ablauf wie bei der Kajahari-Aufnahme. Statischer Glanz, stabil und befremdlich. Ligeti winkt aus dem Hintergrund. „Cross-Pollination“ ist eine gekonnt verdichtete klangkünstlerische Arbeit, wie man sie selten findet.
“Cross – Pollination” ist im Juni 2011 bei Touch erschienen.

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