Wet Paint – Woe

Du schiebst dich durch London. Auf deinen Ohren ist aber nicht der Britpop der Stunde, sondern der College-Rock und Grunge der vergangenen Jahre. Auf deiner Jeansjacke steht Dinosaur Jr. neben Pavement und den Breeders. Sonic Youth in schön. Ja, das sind Wet Paint.

Dir könnte die Welt gehören, wenn sie nicht schon den anderen gehören würde. Sie haben die Ideen, sie haben dir die Akkorde in die Wiege gelegt. Du pickst dir die Rosinen raus. Die Drecksarbeit machen die anderen. Ein Schwein bist du nicht. Eher ein Mitläufer. Ein Abstauber. Du suchst natürlich ständig nach deiner Identität. Du kannst sie nicht finden. Zu tief bist du im Sumpf. Böse Menschen beschimpfen dich als Post-Grunger. Auch Popper hört man mal in gewissen Pubs.
Komischerweise mögen dich die Mädchen. Ihnen darfst du gerne den iPod vollmachen. Du erklärst ihnen dann die Romantik von Shoegaze. Dann willst du ihnen ans Leder, doch ihre Jungs warten unten mit laufenden Motoren. Ein Küsschen auf die Wange muss genügen. Sie finden dein neues Cover endgeil. Sie haben wirklich endgeil gesagt. Deine Mutter sagt, du bist so ein Hommage-Typ. Du verehrst zu sehr. Eben noch haben dich so Rocker sogar Nostalgiker genannt.
Vor dem Schlafen küsst du das Stephen Malkmus-Poster an deiner Wand. Du liebst die Pastels, du liebst den Schatten und das Licht. Wer bist du eigentlich? In den ruhigen Momenten siehst du dich auf der Festival-Wiese. Leider bist du der, der im Dixi-Klo sitzt und die Asis schmeißen dich um.

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