Mountains – Air Museum

Die Sonnensegel sind gesetzt. Elektroakustische Feinstofflichkeiten breiten sich in großer Ebene aus. Man sollte sich Zeit nehmen. Denn mit etwas Geduld wird man Ohrenzeuge bei der Erfindung neuer Verbundmaterialien. In den Grenzbereichen zwischen Ambient und Krautrockpioniergeist verlaufen die Trassen der Mountains. Schon gleiten meine Gedanken in eine blumige Naturmetaphorik ab.
Ein Register schwillt, halbtief, als Bordun. Länglich und synthetisch, lümmelt es sich im Gewand analoger Synthesen mit charmant altmodischem Timbre. Daraus erwachsen Basssequenzen, die an Schlichtheit nicht zu überbieten sind. Wir bewegen uns auf irgend etwas, das langsam Fahrt aufnimmt. Es hat keine Kontur, kein Gesicht. Stattdessen steht der Anspruch einer Klangalchemie im Raum. Diese vertritt die These, Cello, Akkordion und Gitarre in etwas zu verwandeln, das sich zwischen Sinus und Sägezahn harmonisch verschleifen lässt.
Nach dem Achtungserfolg von „Choral“ 2009 schleifen Brendon Anderegg und Koen Holtkamp ihren hybriden Ansatz der Unterfütterung des Elektronischen mit akustischen Instrumenten nun in noch feinerer Meisterschaft. Alles was in den Schichtungen aufgetragen wird, findet einen sinnvollen Platz im Gesamtgefüge. Sentimentalität und andere Gefahren wurden rückstandsfrei weggehobelt. Was zurückbleibt ist die sonore Form eines stabilen Objektes. Ein Mountains-Livetermin könnte spannend werden.
„Air Museum“ ist im Mai bei Thrill Jockey erschienen.
Mountains – Thousand Square (from Air Museum, Thrill Jockey, 2011) by cafeOTO

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