John Chantler – The Luminous Ground

Die Welt besteht aus Gitarren, aus Feedbacks und aus Soli. Doch nein. Stimmt alles nicht. Die Gitarren sind Scheingitarren. Die Feedbacks sind Imitate. Und die Soli sind ausgestopft mit Mathematik.
Wenn du näher trittst und die unendlichen Klangbänder langsam in deine willigen Ohren kriechen lässt, wenn dein cerebraler Cortex unbewusst laut JA! schreit, wirst du feststellen, dass alles, was du ab jetzt hörst, extrem künstlich ist. Das Verknüpfungsgewächs in deinem Kopf verwandelt sich sekündlich in irgend eine andere Alienschlange.
Sie ist das individuelle Produkt eines auskalkulierten Systems von Operationen, das mit nichts anderem beschäftigt zu sein scheint, als mit der mikrometergenauen Verwaltung von Oszillatoren. Schalten und Walten. Unendliche Berechnungen werden zu verkettenden Chiffren, die kein Mensch reproduzieren kann. Die Genratoren werden gepatcht, gefiltert und am Ende dieser Verwertungskette steht eine Klangwelt, die mit sich selbst oszilliert. Geh nach Hause und lass den Schaltkreis Schaltkreis sein. Die Maschinen regeln die großen Dinge der Welt ohne dich.
Der in London ansässige Australier John Chantler legt mit seinem zweiten Album ein ausgefuchstes Werk experimenteller Elektronik vor. „The Luminous Ground“ bietet synthetische Texturen, mit äußerst differenzierten inneren Strukturen und aufs zweite Hören auch wohldosierte Dynamik. John Chantler nutzt seinen Maschinenpark nicht nur um Abläufe zu automatisieren, sondern um Klangbilder zu generieren. Endlich mal einer, der Maschinen wirklich etwas zutraut! Mit Recht. Album des Monats.
„The Luminous Ground“ ist am 31.03. 2011 bei Room40 erschienen.
JOHN CHANTLER – Untitled #2 by ROOM40

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