Die Ramones in Bremen, West Germany

Bremen war wohl nie das Tor zur Welt und wird es auch nie werden. Hamburg ist halt irgendwie ums Eck und das weiß, wie man sich nach außen darstellt. Doch es gab mal eine Zeit, da war Bremen als Standort aktueller Musik von Wichtigkeit. So auch 1978. Sven Regener ist 17 Jahre alt und spielt Trompete beim Spielmannszug des Kommunistischen Bunds Westdeutschland. Entschuldigung! Unwichtig.
Der Musikladen wurde aus Bremen gesendet. Das war die Sensation. Livemusik. Heute gibt es ja noch nicht mal mehr Videos. Radio Bremen setzte sich mit Jugendkultur auseinander. Der Beatclub war Geschichte und etwas musste geschehen, um den Kids Futter zu geben. Ach, das waren noch Zeiten. Nicht nur der Name Manfred Sexauer war hocherotisch. Zu Liveauftritten der eingeladenen Bands bewegten sich Gogo-Tänzerinnen geschmeidig im Takt. Der Regisseur der Sendungen war Michael Leckebusch. OMFG! Ich höre ja schon auf!
Heute ist Radio Bremen für mittelmäßige Tatorte bekannt und hat mit Giovanni di Lorenzo den vielleicht schleimigsten Talkmaster der Fernsehlandschaft. Heute denkt man, wenn man das Wort Bremer hört, wohl als erstes eher an ein Fischbrötchen. Oder an Tim Wiese. Damals kamen noch Größen nach Bremen. Wie z.B. die Ramones. Es war das Jahr 1978. Ich war stolze fünf Jahre alt. Und da soll in Bremen der Punk abgegangen sein? Was haben die Ramones wohl gedacht, als sie für ihr erstes Europakonzert in Bremen eintrudelten? Sie werden wohl nach Hamburg gefragt haben.
Das Bremer-Publikum galt als schwierig. Man hört auch heute noch die Verballhornung “Opernpublikum des Rock’n’Roll”. Nordische Unterkühltheit, die sich nicht nur in tranceartiger Konsumentenhaltung äußerte. Nehmen und nehmen war die Devise. Diese Haltung ist dann irgendwann nach Hamburg geschwappt. Gut, man muss ja erstmal warm werden. Trotzdem wurden aus lauter Furcht schnell am Vorabend noch ein paar Punks gecastet und mit Freikarten ausgestattet. Kein Scherz! Natürlich wurde denen dann später verboten, sich zu nah an der Bühne aufzuhalten- oder schlimmer- noch zu pogen. Die Kameras brauchten freie Sicht. Ja.Ja. Am Bühnenrand gab es Stühle! Hinten sogar Ohrensessel für die Intellektuellen. Der Bremer Shanty Chor war geboren. Gut, das wird wohl nichts mit den Ramones zu tun haben. Obwohl, vielleicht wollte man sich dann doch eher auf Traditionen verlassen, anstatt Langhaarigen New Yorkern die Welt und das dazugehörige Liedgut zu überlassen.
Hinterher werden Mitarbeiter von Radio Bremen von dem schlechtesten Publikum, das die Ramones jemals hatten, sprechen. Egal, die Jungs rockten das Haus und danach ging es bestimmt Richtung Reeperbahn. Mal gucken, wo denn die Beatles so waren. Ich glaube nicht, dass Joey Ramone je einen Gedanken an die Bremer Stadtmusikanten verschwendet hat. Auch irgendwie schade!

via Dangerous Minds

0 Gedanken zu „Die Ramones in Bremen, West Germany“

  1. Hallo aus Bremen,
    nö: die Jungs fuhren nicht nach Hamburg, sondern brav ins Hotel. In der Bar hat dann jeder für sich noch ein Bier getrunken.
    Nach Hamburg haben sie auch nicht gefragt. Die Ramones hatten nie eine Punkattitüde, sondern waren megaprofessionell. Ihnen war klar, wie wichtig die Show war.Sie spielten übrigens in den USA schon vor schlechteren Publikum…….aber sonst ein hübscher Schulaufsatz.
    Let the good times roll. Jörg Sonntag

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