Scott Matthew – Gallantry’s Favorite Son

Scott Matthew schafft es irgendwie auf jedem Album, sein Gespür für Tragik noch zu verfeinern, ohne in die Kitschfalle zu tappen. Seine sparsam arrangierten Stücke besitzen Eleganz. Seine Worte sind weise gewählt. Er nutzt seine stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten, um aus kleinen Songs, große zu machen. Er schwebt, wie eine alte Trauereule über den Akkorden. Manchmal wirft er im Fluge ein paar Taschentücher ab. Vorsicht, es kann auch schon mal ein Sarg sein!
Seine Ukulele spielt die sanften Chords, während sich um ihm rum die Kammermusik breit macht. Nichts übernimmt die Überhand. Alles wird auf Gleichstrom geschaltet und so fließen die Songs nur so aus ihm raus. Doch Scott versucht sich auch an neuen Dingen. Er lässt sogar mal ein Fünkchen Hoffnung und Lebenslust in seine Stücke. Auf einmal swingt der Wahl-Brooklyner, so als hätte Burt Bacharach ihm Tanzstunden geschenkt. Die Sonne scheint herein, der Traum von der Showtreppe bekommt neues Futter. Er weiß, dass er dafür natürlich den Bart stutzen müsste und vielleicht mal aufstehen von seinem Schemel, doch Scott bleibt lieber sitzen. Am liebsten würde er liegen. Schunkeln sollen die anderen.

Niemand leidet so schön wie Scott. Er haucht und weint auf offener Szene. Als Zuhörer wünscht man ihm eine tolle Nacht, ein Erweckungserlebnis oder eine erwiderte Liebe. Manchmal aber auch einfach nur ein langes Leben, denn irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass es bald rum sein kann. Das Klavier hält sich zurück und tippt nur die Spitzen an. Scotts eigener Chor umkreist seine Leadstimme, die mit genügend Hall für die nächsten drei Platten ausgestattet ist. Die Ausreißer sind das Spannende am neuen Album. Das Geburtstagsständchen für seine Mutter zum Beispiel. Vergnügt pfeift Scott seine Dankbarkeit heraus. Sanfte Percussions treiben das Liedchen mit tollen Frauenbackingvocals in den Himmel. Wenn aus Freundschaft Familie wird. Wunderbar.
Scott übertreibt es aber nicht mit Gemütlichkeit. Der Tod wartet schon im nächsten Akkordwechsel. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Der Teufel grinst sein diabolisches Grinsen. Matthew hat es mal wieder geschafft. Nach einigen Durchläufen brennen sich die Songs in dein Gehirn. Ach, Gehirn. In dein Herz. Du willst keinen Song mehr missen. Du liebst auf einmal die Reihenfolge. Alles macht jetzt Sinn. Zum Schluss gibt es einen Calypso der besonderen Art. Es wird geschnippt. Freude kommt durch die Ukulele. Ist da ein Lächeln zu sehen? Mist, wenn der Bart nicht wäre, könnte man es sehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.