Alva Noto & Ryuichi Sakamoto – Summvs

Everything is collaboration: Langsamkeit, Reduktion, geringe Dynamik. Bescheidenheit und Leere. All das sind Attribute, die man „Summvs“ zuschreiben könnte, dem insgesamt fünften Album von Alva Noto und Ryuichi Sakamoto.
Die Grundformel des Albums erscheint ebenso einfach wie risikolos. Die Begegnung zwischen introvertiertesten meist akkordischen Klavierinjektionen und kühler Basis-Elektronik findet auf kleinstem gemeinsamen Nenner statt, auf dem die Hauptcharakteristika der Einzelmusiker als Markenzeichen erkennbar bleiben. So setzt sich keiner der beiden zu irgend einem Zeitpunkt der Gefahr aus, dem anderen auf die Füße zu treten. Man kennt sich. Vielleicht zu gut?
Jeder bleibt in seiner gewohnten Genreecke, ohne dem Gegenüber Raum abzugraben. Ohne jegliche Dominanz einzufordern. Keiner legt die Hand an das Leitstimmenzepter. Überhaupt, welche Leitstimme? Schnittmengen werden nicht gesucht und auch nicht gefunden. Weder Absichten noch Zufälligkeiten scheinen irgendwelche Klangereignisse zu evozieren. „Summvs“ ist das Gemeinschaftsprojekt zweier Könner ihrer Fächer, dass zwar nichts falsch macht, dass aber in seiner erkenntnisfreien Bescheidenheit schnell in den staubigen Tiefen der Archive versinken könnte.
„Summvs“ ist im Mai bei Raster-Noton erschienen.

0 Gedanken zu „Alva Noto & Ryuichi Sakamoto – Summvs“

  1. Wer hier nach einer Schnittmenge sucht hat das Werk als perfekte Symbiose nicht verstanden und sollte sich schämen solch eine Rezension veröffentlicht zu haben.
    Hier betrachtet jemand undifferenziert in persönlichen Variablen und Faktoren, weshalb er unfähig scheint über sein bescheidenes Verständnis von Ton, Klang und Musik hinaus zu werten.
    Wer über Musik u.a. anhand von Erkenntnissen urteilt (auch in anderen Rezensionen) sollte lieber in die Forschung gehen.

    1. Hallo Marius,
      die Deutlichkeit deiner Worte zeigt mir vor allem eines: dass dir das vorliegende Album sehr viel bedeutet. Meine Besprechung war gerade nicht darauf ausgerichtet diese Gemeinschaftsarbeit zweier verdienter Musiker plump abzuqualifizieren, sondern im Vergleich zu ihrem bisherigen reichhaltigen Schaffen zu bemessen. Das Ergebnis ist für mich nicht die glatte Enttäuschung, die du vielleicht herausliest, aber eben auch nicht die perfekte Symbiose.
      Noch ein Wort zum Begriff der Erkenntnis, der ja wohl ein Kernbegriff der Philosophie ist. Im Zusammenhang der Musikkritik benutze ich diesen in erster Linie mit seinem Bedeutungsfeld als „Prozess des Erkennens“ bezogen auf den Anspruch innovativen Musikschaffens, welches bisher Unerhörtes, also eben gerade Unerkanntes, zu erschaffen versucht. Darin liegt eine Herausforderung für beide Seiten, für die Musikschaffenden und die Musikhörer, musikalische Strukturen und Klangstandards zu verändern und Hörgewohnheiten zu durchbrechen. Das erfordert natürlich vom Musikhörenden die Bereitschaft, Erfahrungen, Vermutungen und vermeintliche Hör-Gewissheiten immer wieder neu zu überprüfen, um neue Strukturen erkennen zu können und diese ästhetisch zu bewerten.
      Auf der anderen Seite sehe ich Nicolai und Sakamoto eben gerade als Musiker, die nicht nur Traditionelles repetieren, sondern zweifeln, vermuten und experimentieren, mithin auf ihren Arbeitsgebieten auch forschen. Deshalb hat für mich der Begriff der Erkenntnis als ein theoretischer Maßstab der Rezeption innovativer Musik durchaus seine Berechtigung.

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