Karlheinz Weinberger – Rebel Youth

Die Geschichte und das Leben von Karlheinz Weinberger sind faszinierend. Seine Fotos begeben sich mit ihren Protagonisten auf die Suche nach Identität. Halbstarke treffen sich, zelebrieren sich und das in der Schweiz in den späten 50er Jahren.
Karlheinz Weinberger mischte sich unter die Jungs. War mit der Kamera zugegen, wenn die Gangs posierten. Weinberger hat sich selbst gesucht. Auf der einen Seite lebte er ein biederes Leben bei der Mutter, mit Job und geregelter Bürgerlichkeit, doch auf der anderen gab er sich den Namen Jim und tauchte ein in die Welt des Verbotenen, der Rebellion. Er wurde Abonnent der Schwulenzeitschrift “Der Kreis” und kurz darauf auch deren Fotograf. Sein erstes Bild erschien 1952. Alle kannten ihn nur als Jim. Die einen behaupten, dass sich Karlheinz nach Bert Brechts “Ballade vom Nigger Jim” benannt hätte, andere wiederum glauben, dass Jim sein erstes Model war und als Namensgeber fungierte.
Nach der biederen und stumpfen Arbeit des Tages begann für “Jim” das Leben. Er gehörte nicht in die Welt der Halbstarken, wurde aber akzeptiert, da seine Fotografien so etwas wie Solidarität ausstrahlten. Immer tiefer tauchte er ein. Die Jungs öffneten sich, zogen sich sogar für Jim aus. Mit einigen hatte er sogar Sex. Die nächsten Jahrzehnte arbeitete Jim als Karlheinz weiter in seinem Beruf, um am Feierabend mit der Kamera, um die Häuser zu ziehen. Bis zu seiner Pensionierung war er bei Siemens Lagerist. Erst 1980 hatte Jim die erste Einzelausstellung in Zürich. Doch Popularität erlangte er wohl nie. Er lebte in der Nische, in der Tradition und hatte doch so viele Ausbruchsmöglichkeiten. 2006 verstarb er. Sein Werk wird es jetzt gebührend gewürdigt.
Die Galerie cubus-m in Berlin zeigt zur Zeit die erste Retrospektive in Deutschland. Die Ausstellung geht noch bis Ende Juli.


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