Arctic Monkeys – Suck It And See

Alex Turner schmiert sich eine Tolle. Nach seinem Soloausflug, bei dem er einen kleinen schönen Indie-Film mit seinen Songwritingfähigkeiten veredelte, muss er nun wieder den Arctic Monkeys-Vorsteher geben. Der Pop ist zurückgekehrt, die Smiths-Huldigungen werden verzierter, aber auch lauter. Dicke Riffs geben sich muckermäßig und männlich.
Morrissey wird große Augen machen und vielleicht nun nach seinem hundertsten Best Of abdanken. Die Affen haben schöne Songs vorbereitet, die sich mit vollster Kraft in den Popolymp drängen. Alex Turner darf nun endlich so singen, dass er als Sänger anerkannt wird. Er darf leiern, ziehen, weinen, rocken, schmachten und dudeln. Die Band gibt sich zurückhaltend, aber energisch. Die Songs schreien natürlich nach Chartplatzierungen, nach Radioshows und Festivalbühnen. Vielleicht immer noch nicht in der Dunkelheit, aber kurz vor Zapfenstreich.

Luftballons werden in den Himmel gelassen. Kaugummis für die Mods vorgekaut. Gitarrenlicks werden wieder zelebriert. Die Wüste ist immer noch gerne zu Gast. Oben Ohne-Models kommen vorbei. Ihnen wird mit einem Lager zugewunken. Wir sind erwachsen, wir sind das Ding der Stunde. Ein Scheinwerfer zeigt die Protagonisten für die besten drei Minuten deines Lebens. Die Girls kreischen. Sie verstehen zwar nicht, dass der Song eine magische Wendung hat. Turner zeigt Hüfte und Stehvermögen. Er weiß, wie Songs funktionieren.
Die Arctic Monkeys können nicht mehr viel falsch machen. Songs schreiben können sie, sie sind jung und gewissermaßen auch sexy. Sogar wenn sie stumpf rocken, zeigen sie in den Brücken, dass immer mit einer Harmoniegarantie gewerkelt wird. Auch wenn dann schon mal ein Song ausfranst, alles schiebt sich wieder in die Bahn, wenn zum Chorus gerufen wird. Die lässigen Midtemponummern liegen ihnen zur Zeit am besten. Alex Turner gibt den Dandy und Schuljungen in einer Person. Manchmal wirkt er wie ein Gallagher-Bruder. Warum auch nicht? Ein Bass darf die Figur geben, die sich unbekümmert in Szene setzt, um dem Chorus in die Hände zu spielen. Kleinode werden zu Teatime-Smashern. Alles schön harmlos, aber so verspielt, dass alles passt. Solo, Bridge, Refrain. Applaus. Kurz und knackig.
Musik für Mädchen und die, die es noch werden wollen. Ein Song geht immer, ein Album geht immer. Arctic Monkeys gehen immer. Auch auf dem Bolzplatz. Was soll ich sagen? Beste Popband zur Zeit. Und sie haben ja auch schon wieder Kinder wie z.B. die Crookes. Alex Turner has left the building.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.