Buke & Gass – Riposte

Die letzten Tage habe ich das Wort Polyrhythmik fast inflationär benutzt. Woran das liegt, weiß ich nicht. Auch Buke & Gass bekommen dieses Wort auf ihre Musik gedrückt. Kann man halt nichts machen. Ist so.
Das Duo aus New York hat aber noch mehr zu bieten als Polyrhythmik. Gerade weil ihre Rhythmik nicht handelsüblich beigesteuert wird. Die Beiden sitzen während ihres Vortrags, wenn du ihre Musik zuhause hörst, kannst du das gar nicht glauben, weil die Musik so unglaublich Fahrt aufnimmt. Arone Dyer treibt ihre selbstgebaute Gitarre immer wieder an. Mit schnellen Anschlägen gibt sie das Tempo und den Groove vor. Sie gibt immer einen Funken Verzerrung mit in ihr Spiel, so dass die Gitarre zu glühen beginnt. Sie franst ihre Teile aus, Barre-Akkorde sind für sie wie ein rechter Fuß eines Linksfüßers. Wenn man stehen muss, dann geht’s. Ein Schellenkranz an ihrem Schuh wippt dabei fast unbekümmert, ob der wahnwitzigen hohen Töne, die von oben kommen. Dyer hat zwischendurch Zeit, (wie eigentlich?), um auch mal eine Orgel zu tätscheln. Arones Gesangsstil hat mehrere Facetten. Mal gibt sie das verhuschte Folkmädchen, dann gibt sie mehr Gas und klingt, wie eine frühe PJ Harvey, bevor die Kreide gefressen hat. Zwischendurch denkt man an eine wiedererstarkte Liz Phair. Die wird sich wundern, was heute für Frauen die Musikbranche bevölkern und was die können.
Aron Sanchez hält sich im Hintergrund auf. Das täuscht, denn beide sitzen ja nebeneinander. Sein Bassspiel ist ungeheuer wichtig. Er gibt Arone sehr viel Platz und unterfüttert das wilde Gitarrenspiel, das ja Akkorde/Töne im Sekundentakt wechselt, mit verzerrter Grundierung. Wie eine Bassorgel klingt sein natürlich auch selbstgebauter Bass. Manchmal greift auch er zur Sechssaitigen, dann wird es noch klirrender. Außerdem hat er eine Bassdrum zu seinen Füßen, die zusätzlich noch mit zwei Tambourinen von innen behangen ist. So begeben sich die zwei auf Klangforschung. Ihre Verstärker sehen zudem auch aus wie selbst gebaut. Warum sollte man auch nicht sein Prachtstück selber geschnitzt und mit aller Hand Elektronik bestückt haben? Eigene Ernte schmeckt am besten.

Die Songs haben viele kleine Teile, die sich nie auf Strophe oder Chorus einigen können. Manchmal klingt Arones Gesang, wie die Würzung eines Instrumentalstückes. Ihr Gesangsstil orientiert sich schon an poppigen Linien, nur die Musik darunter hat so viel mit Rock zu tun, dass es schwer wird eine Schublade zu finden. Der Gitarrensound kann schon mal eine Ukulele imitieren, um im nächsten Moment wieder rhythmisch in die Vollen zu gehen und bratzig Fetzen, in die Umlaufbahn zu werfen. Wie eine weitergeführte Version der Spinanes, sind die New Yorker ein spannendes Team.
Buke & Gass sind natürlich eine Nischen-Truppe, doch immer wieder gucken sie aus der Ecke heraus, gerade dann wenn Arone mal nicht singt, schwingt ihre Musik mit unheimlichen Drive aus ihnen heraus. Vielleicht hätten sie die Stücke instrumentaler lassen sollen. Denn, wenn sich Gitarre und Bass verfolgen, um sich kurz auf ein Heißgetränk zu treffen, um aber dann kurz darauf wieder, zuerst gegeneinander und dann auseinander zu laufen, bekommen die Stücke sehr viel Druck und Dramatik. Arone versucht dann immer mit ihrer Stimme das Lasso zu spielen, um den Schellenkranz, Bass und die Gitarre einzufangen. Die Bassdrum bekommt sie so schnell nicht. Sie ist immer zwei Tritte zu weit entfernt. Ruhige Momente haben Seltenheit, dann werden sie mit kurzen, heftigen Tritten zerstört oder ein frei gespieltes Saxophon darf Jazz spielen.
Viele Momente gibt es auf Riposte. Fast zu viele, denn man verliert sich schnell in den Stücken. Die Struktur des typischen Rocksongs wird aufgebrochen. Unzählige Teile bieten sich an, werden vielleicht nur kurz angedeutet, um dem nächsten Platz zu machen, der aber auch nur eine Parkmöglichkeit für eine Minute besitzt, bevor die Politesse das Knöllchen kritzelt. Rastlose Songs, die nur an der Reise interessiert sind, nicht an Orten oder Übernachtungsmöglichkeiten. Live bestimmt die Bombe, auf Platte schon sehr mächtig. Bring Zeit und Ruhe mit, dann entdeckst du vielleicht zwischen den Zeilen deinen Seelenfrieden! Buke & Gass sind eine Band, die es einem nicht immer leicht macht und das macht sie so lebendig.

Im Juni auf Tour:
21.06.2011 London (UK), CAMP Basement
22.06.2011 Brussels (BE), Homeplugged
23.06.2011 Amsterdam (NL), Paradiso
24.06.2011 Paris (FR), Plage du Glaz’art – La Route Du Rock Session
25.06.2011 San Simón (ES), Festival Sinsal
28.06.2011 Esslingen (DE), Villa Merkel
29.06.2011 Köln (DE), King Georg
30.06.2011 Berlin (DE), Schokoladen
01.07.2011 Secret Festival (DE)
04.07.2011 London (UK), Hammersmith Apollo w/ Lou Reed
05.07.2011 Paris (FR), Grand Rex w/ Lou Reed

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