Woher kennst du eigentlich die Beatles? Richard Gleim gibt Antwort.

Unsere neue Reihe nimmt sich einer banalen Frage an, die auf den ersten Blick überflüssig erscheint, doch bei genauerer Betrachtung ungemeines Potenzial beinhaltet. Jahrgangsgeräusche hat sich zur Beantwortung dieser Frage GastautorInnen eingeladen, die ohne Reglementierungen ihre Beiträge einreichen konnten und auch weiterhin noch können. Schön zu sehen, wie unterschiedlich sie das bewerkstelligen.

Blicken unsere Autoren in die Vergangenheit? In die eigene oder die der Eltern? Ist Musik nur der Aufhänger für eine popkulturelle Auseinandersetzung mit den eigenen Erwartungen an ein Geschenk wie Liebe? Reichen unsere Kollegen, Freunde und Leser Gedichte oder Songs ein? Gibt es eine fiktive Antwort als Schelmenkurzgeschichte? Sagen Fotos mehr als tausend Worte? Wir lassen uns überraschen. Alles ist möglich und nun fragen wir zum dritten Mal: “Woher kennst du eigentlich die Beatles?”

Als Dritter beehrt uns Richard Gleim, der als Fat Daddy in den 1950er Jahren Jazz ablieferte und später als Fotograf ar/gee gleim in der Punkszene Düsseldorfs unterwegs war. Heute schreibt und fotografiert er auf seinem Blog.
Beatles? Höre ich den Namen ‚Beatles’ sehe ich Bilder von kreischenden Teenies. Es war frappierend. Die Beatles genossen es. Sie spielten damit im Gefühl der Macht. Allein das kurze Hochziehen einer Augenbraue erzeugte jenes entzückte Kreischen und auch schon mal Ohnmachtsanfälle pubertierender Mädchen. Das sah ich in Wochenschauen oder im Fernsehen.
Die Beatles verstanden es, medien- und massenwirksam aufzutreten. Sie wussten: Jede Bewegung ist wesentlich. Sie hatten gelernt, dass nicht große Gesten und Grimassenziehen vonnöten waren. Es reichte das Lächeln gut erzogener Jünglinge mit etwas längeren Haaren.
Eine Theaterkritikerin in meiner Bekanntschaft äußerte, dass die Beatles der Ausdruck der Zeit seien. Sie lobte den Wechsel der Tonarten innerhalb eines Songs. Das konnte ich nicht nachvollziehen. Ich konnte mich auch der Emphase der reifen Frau nicht anschließen. Nun gut, die Beatles hatten sich vom Bluesschema, das bis dahin den Rock ‚n’ Roll bestimmte, gelöst. Die Musik wurde als ‚Beat’ und nicht als ‚Rock’ verschubladet. Für mich war der vielstimmige Gesang kennzeichnend. Es war nicht mehr ein Elvis oder ein Mick Jagger, die den Leithammel abgaben, sondern vier Jungs in aufregender Harmonie. Die Begeisterung meiner Theaterkritikerin schwappte bald auf Miles Davis über, den sie, als sie ein Konzert von Ihm besucht hatte, fortan für den Ausdruck der Zeit hielt.
Ich prägte den Spruch: „Jedem Beatle einen Beetle“ und fand ihn besser als Henkels Spruch: „Das beste Persil, das es je gab“
Ich habe mir nie eine Beatles-Platte gekauft und besitze auch keine. Da gab es doch Ornette Coleman und Eric Dolphy und dann mit Canonball Adderley die Rückkehr zum BeBop und das Ende des Innovativen im Jazz und dann Frank Zappa, The Mothers of Invention oder Velvet Underground.
Die Beatles säuselten an mir vorbei. Von Rauschen kann ich da nicht sprechen. Die Beatles selbst habe ich kaum wahrgenommen. Was ich wahrgenommen habe, ist ein Reflex auf den Gesichtern und in den Aussagen meiner Umgebung bzw. der Medien. Was ich von den Beatles kenne, kenne ich in schwarz-weiß. Farbe kommt da nur mittelbar vor. Yellow Submarine als Zeichentrickfilm. Doch damit haben die Beatles selbst nichts zu tun. Wenn also jemand sagt, ich kenne die Beatles gar nicht, werde ich ihm wohl Recht geben müssen. Mich schmerzt das nicht einmal. Yeah! Yeah!
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