Death Cab For Cutie – Codes And Keys

Die ersten Takte reichen schon. Du siehst sofort wie TV-Ärzte jemanden wiederbeleben oder wie die Bestatterfamilie ihren Frust mit Alkohol betäubt. Eine große Liebe geht verloren und die Gossip-Girls spielen das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel.
Der Emo in mir lächelt da müde. Klar, zu Hause ist es immer öde, nur das Death Cab For Cutie das auf die Spitze treiben. Die Einsamkeit hängt in den Akkorden, jeder Bassheuler flutscht ins Taschentuch. Das Right-Becken klingt wie ein Messerstich in Butter und Ben Gibbard besingt mit dieser jugendlichen Stimme, wie ein angezählter Kirmesboxer, ein immer wiederkehrendes Gefühl.
Wenn das Tempo mal ein wenig schneller wird, perlt ein Klavier an den Seiten, doch irgendwie ist alles auf Gibbard aufgebaut. Die Musik ist nur in den Anfangstakten von Bedeutung, hiermit holt man sich die Fernsehserien, nicht mit dem Gesäusel, was danach kommt. Vielleicht hilft ein Ausbruchsakkord. Eine Steigerung, eine Keule? Okay, manchmal gelingt das. Manchmal versickert ein Song aber auch in der Theatralik, der Dramatik, die mir wie vorgespielt vorkommt. Jeder einzelnen Note liegt eine Begründung bei und so nerven die Songs dann leider zu oft. Der Emo in mir braucht doch mehr als traurige Akkorde, die immer nach unten gucken. Immer nur nasse Haare bedeuten auch nicht, dass das Glück zurückkommt.

Dass das alles ganz ordentlich produziert ist, tut nichts zur Sache. Das können viele. Death Cab For Cutie bleibt diese Kritikerband, die kleine Mädchen nach Hause fährt, Ravioli aus der Dose isst und dann von Pasta spricht. Immer gibt es diesen Regenbogenverweis, diesen Hall, diesen Kitsch, der alles zu Schmalz verkommen lässt. Schade, ich dachte, die können und wollen mehr. Mir reichen dann die Sekunden im Fernsehen. Auf Platte brauche ich das nicht.

Codes And Keys erscheint am 27.05.2011

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