Wild Beasts – Smother

An der Tür klingelt ein Klavier. Es hat diese perlende fordernde Coldplay-Hymne unter der Haube. Du lässt es erstmal herein. Sit down, please!
Die Wild Beasts sind zurück. Endlich! Eigentlich hat sich nichts geändert, man hatte ja eh die alten Alben ständig im Player. Thorpe singt immer noch mit zusammengekniffenen Stimmbändern. Er stöhnt nach wie vor gerne und leidet, wie ein angefahrenes Reh. Doch auch Tom Fleming nimmt nun das Ruder des Gesangs in die Kehle. Die beiden Stimmen verschmelzen. Der Groove kommt durch einen Schlitz im Kleid. Ganz sachte schiebt er sich zwischen die Beine und pulsiert. Wild Beasts-Platten haben eine Sogwirkung. Das ganze Ausmaß kann man erst am Ende erkennen. Hits bleiben verschachtelt. Nach hundert Durchläufen schieben sich Sonnen über regennasse Straßen.

Die Disco bleibt ein schummriges Ungetüm. Synthesizer säuseln Geilheit vor. Mit einer Leichtigkeit verabreichen die Wild Beasts nur kleine Dosen, die aber süchtig machen. Schwulst wird angenehm groß gekaut. Zähe Elemente werden weggegroovt. Eine Steigerung bedeutet noch nicht Chorusalarm!
Perkussive Elemente treten aus Thorpes Schatten und bekommen eigene Qualitäten. Das Tempo bleibt gering. Es geht eher tiefer als schneller. Die Drums spielen sich so zugedröhnt in einen Run. Man kann so eine Musik wohl nicht besser machen. Nichts passiert zufällig oder erscheint überflüssig. Jede klingende Gitarre darf ein Tönchen in die Welt schicken. Adressaten gibt es wie Sand am Meer. Romantik paart sich mit Befreiungsschlägen. Sabber läuft aus Thorpes Mund. Manchmal schnürt Thorpe einem sogar ein wenig die Luft ab, doch das macht einen gerade interessant. Eine Blümchenband wollen die Wild Beasts nicht sein. Du schickst das Klavier dann doch nach Hause. Wer kam nur auf die Idee, Coldplay zu erwähnen. Eine Beleidigung. Super Platte! Was für ein Jahr.

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