Dirty Beaches – Badlands

Dein Lost Highway-Gefühl lässt dich nicht im Stich. Ein Scheinwerfer leuchtet zwar nur noch, trotzdem fährst du in die Nacht. Jimmy hat ihn gestern kaputt getreten. Jetzt zahlst du es ihm heim. Es dröhnt aus deinem leiernden Kassettendeck. Du schminkst noch einmal im Halbdunkel deine Lippen nach. Bisschen Zähne sind auch dabei.
Alex Zhang Hungtai willst du heute Nacht noch treffen. Er soll dir alle fehlenden Dinge, die du für die körperliche Liebe noch benötigst, beibringen. Alles willst du lernen. Jede Ferkelei. Zuerst bist du irritiert, als er von Roy Orbison erzählt, während er mit dem Klappmesser deine Beine nass rasiert. Du schreist kurz auf, als er 50er in deine Haut ritzt. Alles scheppert nun. Eine Gitarre spielt simple Blues-Chords, ein Beat treibt auf eine Steilwand zu. Kopfüber geht er hinab. Nun geht auch dein letztes Scheinwerferlicht aus.

Alex Zhang Hungtai singt irgendetwas. Er hüstelt. Wenn das Sehnsucht ist, dann hast du jetzt verstanden, um was es geht. Hasen hoppeln vorüber. Der Sommer ist für dich zu Ende, bevor er überhaupt begonnen hat. Die Jukebox knackt. Best Coast sind Barbies. Dirty Beaches, das Ein Mann-Projekt, macht seinem Namen alle Ehre. Überall liegen Feuerquallen rum, benutzte Kondome und zerdepperte Pullen. Alex Zhang Hungtai ist der Ghostrider, der allen Mädchen in der Umgebung die Unschuld raubt. Er ist ein Krachmacher, doch den Mädchen geht es um seine Haare, die er ständig mit einem nassen Kamm nach hinten kämmt. Seine Gitarre lehnt vor dem Verstärker, da macht sie den schönsten Krach. Der Beat treibt dich in seine Arme. Er gurgelt, beschwört den Teufel. Er weiß, wie man Romantik in Angst verwandelt. So langsam bekommst du Schiss. Ist das noch Rockmusik oder schon der Trauermarsch? Du siehst deine Eltern auf deiner Beerdigung vor deinem geistigen Auge. Alex Zhang Hungtai sitzt in der letzten Reihe und macht sich die Nägel sauber.
Eis am Stiel war gestern, Best Coast dürfen weiter Surfbretter anschmachten. Dirty Beaches hebt Gräber aus. Düsterer Trip, der Alan Vega und Suicide ehrt und “Elvis has left the building” eine neue Wendung gibt. Gruselig schön!

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