Jeremy Jay – Dream Diary

Jeremy Jay ist ein Träumer. Das war er immer schon. 2007 ging sein Stern am Himmel auf. Eine Instrumentalplatte im Geiste machte den Anfang, seither sind einige Platten mit angedeutetem Gesang nachgeschoben worden. Jeremy Jay wird immer erwachsener. Altklüger, um die Wahrheit zu sagen.
Seine Produktionen werden merklich sauberer, seine Songs ähneln sich teilweise so, dass man bei einem Mixtape nicht mehr die Alben nennen kann. Slowdance war der Burner. Gebremste Traurigkeit. Splash, ein würdiger Nachfolger und nun darf das Traumtagebuch vorgetragen werden. Was hat sich nach Splash getan? Ich glaube, dass Jeremy das neue Album zu der Zeit schon fertig hatte. Er ist ein Vielschreiber. Ein Macher. Leider.

Die Synthesizer schieben sich immer mehr an der Gitarre vorbei. Sie machen die Melodie, denn singen will Jeremy immer noch nur am Rande. Wie flüchtig drüber gesungen klingen seine Ansätze. Er weiß nicht, ob er beim Chorus mehr Herzblut reinlegen soll oder nicht. Jeremy bleibt fast auf einem Ton. Seine Stöhner sind verhallte Tupfer, die schön eindimensional neben der Spur sitzen. Manchmal spricht Jeremy einfach, während seine Singstimme schon in der Strophe angekommen ist. Er kommentiert sich selbst. Das ist faszinierend und das macht ihm so schnell keiner nach. Doch die großen Hits, die Slowdance ausmachten, sind nicht mehr auf Anhieb zu finden. Klar, “Caught In A Whirl” geht gut rein, doch danach ist auch Schluss mit lustig. Der Tagträumer bleibt in seinen typischen Akkorden hängen. Die Drums beginnen fast jedes Lied mit dem gleichen Break. Das ärgert mich als Fan schon. Ich weiß, dass Jeremy ein Großkotz ist, doch er sollte nicht versuchen, alle gegen sich aufzuhetzen. Er ist ein großes Talent, doch ihn langweilt vielleicht auch der eigene Sound. Es hat mal funktioniert und dann mach ich das bis sie mich rausschmeißen.
“In The Times” beginnt mit einer Akkustikgitarre und hat rockige Breaks. Das gefällt. “Shayla” wirkt wirklich erwachsen. Eine markante Bridge lässt dich wieder an Jay glauben. Jay, du kannst es doch. Trau dich mal wieder an einen Hit. So was wie “Our Only Light’s A Flashlight” muss einfach öfter durch die 80er-Decke dringen. Diese hingerotzten Sachen langweilen. Hat man nach fünf Sekunden vergessen. Vielleicht geht es bei Träumen genau darum, aber das hier ist Musik und kein Schlaflabor. Nimm dir Zeit. Lass die großen Gesten weg. Du bist nicht Scott Walker. Obwohl? Das wird schon.

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