CM von Hausswolff – 800 000 Seconds in Harar

Der eine reiste um zu entfliehen, der andere um sich auf Spurensuche zu begeben. Der eine hatte schon viele Antworten gegeben. Der andere sammelte Indizien. Der eine fand die Bestätigung in der Beschleunigung der Zeit. Der andere war gewillt, die Zeit mit akustischen Mitteln zu dehnen. Eine klangliche Spurensuche.
Harar ist eine tausenjährige Stadt im östlichen Hochland Äthiopiens. Sie ist für Muslime nach Mekka, Medina und Jerusalem die viertheiligste Stadt der Welt. Außerdem verbrachte Arthur Rimbaud Ende des 19 Jahrhunderts einige seiner abenteuerlichen Reisejahre als Händler in Harar. Für die Inszenierung eines Stücks von Michael Azar, das sich mit dem Leben Rimbauds beschäftigt, wurde der schwedische Musiker und Künstler Carl Michael von Hausswolff mit der Produktion der Theatermusik betraut.
Er reiste für 10 Tage (also 800.000 Sekunden) nach Harar, machte dort Fieldrecordings und beschäftigte sich mit lokalen Musikinstrumenten, wie z.B. dem Saiteninstrument Krar. Die Krar findet dann auch in Form von fundamentalen Borduntönen und weichen Drones Einzug in den Soundtrack. Darüber streut Hausswolff als Atmosphären Ausschnitte seiner Fieldrecordings. Das Ergebnis ist ebenso simpel wie wirkungsvoll. Insgesamt entstand eine gelungene Auftragsarbeit, die auch als eigenständiges Album bestehen kann, auch wenn das letzte der vier Stücke “The Sleeper In The Valley“, das mittels synthetisierter Basstöne im Morsetakt das gleichnamige Gedicht Rimbauds nachzeichnet, deutlich abfällt. Das hat Rimbaud dann doch nicht verdient.
“800 000 Seconds in Harar” ist im April 2011 bei Touch erschienen.

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