TV On The Radio – Nine Types Of Light

Ein Anfang ist gemacht. New York wurde kurz verlassen, um mal über den Tellerrand von Williamsburg zu schauen. Die Vorzeige-New Yorker sind nach Los Angeles gereist, denn dort hat nun Kopf Dave Sitek seine Zelte aufgeschlagen. In eines dieser Zelte hat er ein Studio gebaut. Kann doch auch nicht mehr Knöpfe haben?
Ob man das nun hört? Mehr Sonne? Andere Preise? Lauere Nächte? Ich glaube nicht, doch irgendwie klingt der Nachfolger zu “Dear Science” unglaublich inspiriert und frisch. Eine Spritze für die Seele. Drei Jahre hat es gedauert, um sich wieder als Band zu präsentieren. TV On The Radio waren aber nie richtig weg. Soloausflüge oder Produzententätigkeiten haben immer wieder ihren Namen in die Welt getragen. Man fragte sich ständig, wann gibt es wieder was Neues? Auch jetzt sind sie immer noch die New Yorker, die am meisten Aufsehen erregen oder schenkt man ihnen einfach zu viel Aufmerksamkeit?

Fluffig geht es los. Die Tanzfläche ist hell erleuchtet. Kopfstimmen weisen dir den Weg durch das Getümmel. Das war schon immer so und so soll es auch bleiben. Stimmen dienen als Taschenlampe und Exit-Schild. David Bowie wird immer noch mit offenem Mund an der Theke lehnen und nicht verstehen, wie jemand seiner Stimme so nah kommen kann. Stimmenakrobat Tunde Adebimpe holt wieder alles aus seiner Kehle raus. Die Songs sind nach wie vor so vollgeladen, dass man gerne das Flugzeug gesehen hätte, mit dem die Jungs nach L.A. geflogen sind. Es wird wohl kaum abgehoben haben, so schwer wird es gewesen sein. Man hätte es mit den Händen berühren können. Einmal durchschütteln, bitte! Damit der Tomatensaft sich gut verteilt.
Wunderbar weich geht es los. Deine Hände berühren kalte Haut, die sich sofort an deine Wärme gewöhnt und zu glühen beginnt. Die neuen Songs haben so viel Kraft, dass einem schon mal die Spucke wegbleibt und man in Schubladen nach etwas Flüssigem sucht. Die Songs haben eine Kraft, die sich in Steigerungen aller erdenklichen Art entlädt. Eine Stimme reicht nicht, eine Gitarre reicht nicht. Im Hintergrund schwillt immer eine Wand an, die so sehr nach Rock riecht, dass es schon keiner mehr sein kann. Alles groovt, sogar kleine Sperenzchen. Wenn sich von hinten die Bläser nach vorne schieben, hast du den Hip Hop vergessen, der dich die letzten Jahre begleitet hat. Brauchst du wohl jetzt nicht mehr. Popmusik kann so viel mehr.
TV On The Radio blasen zu neuen Ufern. Schwelgerisch werden sie in gewissen Momenten. Eine Soundwelle bricht ins alltägliche Leben. Ist das so was wie Liebe? Gitarren zerbrechen immer wieder, bauen sich ungewollt wieder auf, während ein Handclap so unwichtig erscheint und dich hypnotisiert schnippen lässt. Strophenteile werden in neue Formen gegossen, die den Chorus sprengen. Streicher aus einer anderen Welt unterhalten dich mit wehendem Haar. Crossover. Eine nasse Snare scheppert, der Bass drückt dir von unten den Dancefloor gegen die Kronjuwelen, dass dir deine Hose viel zu eng erscheint. Irgendetwas wächst. Funk löst sich in Luft auf. Da gehört er auch hin. Dave Sitek presst alles zusammen. Alles wirkt so eng produziert. Fast so als wäre über die Produktion eine Frischhaltefolie gezogen worden. Tunde reißt sie dann nach minutenlanger Atemlosigkeit wieder ein. Schwindel. Meisterwerk!

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