Cass McCombs – Wit’s End

Cass McCombs findet immer mehr zu sich selbst, obwohl er ständig seine Aufenthaltsorte wechselt, bleibt er ruhig und genießt sein Leben als Wanderer. Sein Blick schweift über Tagebücher, über Blumen am Wegesrand oder Spiegelungen im Wasser. Mit schweren Schuhen bewaffnet, schlendert er durch langsames Terrain. Spurensuche und Fährtengeschnüffel.
Das Klavier trägt Cass auf den nächsten Hügel. Von dort aus sind die Menschen ganz klein. Das kann aber auch täuschen. Leichte Akkordwechsel begeben sich in einen Taumel. Wie ein langsamer Walzer trippeln die Noten durch eine Gefühlswelt, die dem Country nahe zu sein scheint. Ohne Sporen und Whisky. Die Songs sind gut durchdacht, haben ihre Stärke in der Reduzierung auf das Nötigste. Zeit spielt eine wichtige Rolle und die nimmt sich Cass einfach. Er dudelt die Songs runter, er macht hin und wieder den Lennon, das klingt warm und schön.

Seine Band spielt fast gelangweilt mit. Aber auf höchstem Niveau. Ein Glockenspiel oder ein Saxofon geben kurze Gastauftritte, sind aber auch nur Freunde für gewisse Minuten. McCombs bringt eine Winterplatte im Frühling raus. Er ist nicht an der warmen Jahreszeit interessiert. Für ihn sind Wind und Regenschauer das Schönste. Oft singt McCombs einfach die Melodieführung mit. Er versucht erst gar nicht, sich gegen etwas zu stemmen. Jeder Song braucht unglaublich viel Raum. Da darf schon mal eine Strophe ohne Gesang ergänzt werden. Und die Liebe? Ja, die darf natürlich auch nicht fehlen. Der “Saturday Song” spielt sich als Hymne auf. Sie macht das Wochenende zu einer einsamen Angelegenheit.
Cass McCombs Musik ist nicht für eine Party gemacht. Ich glaube sogar, dass man sie nicht zu zweit hören kann. Wenn ein Becken anschwillt, bleibt einem fast das Herz stehen. Aus einfachen Songs werden auf einmal Brecher, die doch nicht ganz ohne Mut gestrickt sind. Dunkle Töne sehnen sich nach Luft. Eine Kastagnette fächert kurzweilig einen Hauch von Exotik in das Treiben. Cass McCombs ist angekommen, doch er wird morgen weiter ziehen. Auf dem Frühstückstisch findest du einen Zettel. “Ich habe die Butter schon mal rausgestellt. Guten Appetit!” Ich kann nur Danke sagen.

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