The High Llamas – Talahomi Way

Die Fahrstuhltür klemmt. Seit vier Jahren nun schon. Du musst seit dem die Treppe nehmen, doch Fahrstuhlmonteur Sean O’Hagan ist nun endlich zur Stelle und drückt die Türhälften mit aller Kraft auseinander und schwuppdiwupp fährt er wieder. Das hat bis dahin kein anderer geschafft. War eigentlich ganz einfach.
Die Musik rieselt sofort von oben herab. Große Arrangements perlen beschwingt in den Innenraum. Blumenduft und eine leichte Brise lassen die Fahrt wie einen Kurzurlaub erscheinen. Ed von Schleck schmatzt frivol an seiner eigenen Kreation. Die High Llamas sind zurück. Haben wir sie vermisst? Ja, irgendwie schon, denn das Leben ist trist genug, da braucht es mal einen Easy-Jazzakkord oder einen Shaker, der unaufhaltsam rappelt. Die Beach Boys im Geiste. Wie Engel schweben die High Llamas in weißen Gewändern über unseren Köpfen. Take my hand and running through the sand. Die Sandalen lassen viel Luft dran. Alles ist beim Alten geblieben. Ein Hauch Bossa Nova, ein Hauch Surfbrett, ein Strahl, der dir sofort die Zähne sauber putzt. Dein Grinsen ist nun fototauglich.

Die Streicher sind immer da, wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt. Mädchen drehen sich im Kreis und Joints. Alles ist gut. Die Liebe eine Mausefalle. Du stehst auf Speck und tappst vergnügt in jeden Kitsch. Glöckchen bimmeln, eine Gitarre spielt den Feliciano. Die High Llamas bringen das Romantikposter für den Saunabereich zurück. Während du noch mit der Bürste alles glattbügelst, ertönt ein Spinett. Die Prinzessin hat zum Tee geladen. Natürlich darf David Hamilton Fotos von den Kindern schießen. Keiner sagt was. Das ist Kunst. Schmuddelig sind die, die Schmuddeliges denken.
Die High Llamas sind immer nah am Score, immer nah am Wasser gebaut, doch Tränen sollen keine fließen. Eher Honig. Es soll geschlendert werden. Gute Gefühle übermannen dich, während du mit den anderen den 85. Stock erreichst. Der Ausblick ist zwar nur zweitrangig, doch du fühlst dich sicher und warm. Du holst deine alte Mundharmonika aus der Gesäßtasche. Puste ein Liedchen! Mehr will Sean O’Hagan nicht. Er will den großen Popsong und davon gibt es zwölf.
Talahomi Way ist bei Drag City erschienen.

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