Crystal Stilts – In Love With Oblivion

Wieder einmal bricht die Kälte ein. Auf nicht immer leisen Sohlen versucht sie sich in den Mittelpunkt zu drängen. Oft gibt ihr ein Hall so viel Futter, dass du sofort fröstelst. Die psychedelischen Elemente, die die Kälte auch noch im Rucksack hat, versuchen aus der Surfecke herauszukommen. Joy Division hatten auch nicht so gerne Bretter unter den Füßen. Sonne und Strand sollen vergessen werden, zumindest für den Moment, in dem die Crystal Stilts sich in deinen Gehörgang drängen.
Alles ist auf Drama getrimmt. Stoische Beats unterlegen die Hypno-Orgel, die Gitarre schlotzt dir Traumata ins Gehirn. Muss ich einsam sterben? Brad Hargett summt dann irgendwie charismatisch. Zukunftsangst eines Großstädters. Dann dudelt der zweite Song. Kaugummi verklebt dir den Rachen und rote Lippen soll man küssen. Auf einmal bricht der Himmel auf. Die Sonne lacht ein teuflisches Grinsen. Schwarz-Weiß-Filme vergilben im Sonnenlicht. Du hättest sie im Kühlschrank lassen sollen. Die Crystal Stilts grooven sich scheppernd durch ihr 60er-Universum. Ihr Sound ist immer am Anschlag. Der Puls rast, Glas zersplittert. Du ziehst den Mantel aus. Endlich muss es in der Garage nicht mehr kalt sein, denn die Band aus New York City hat Songs in Heizungen umgebaut.

Ich mag sehr gerne diese Orgel, sie matscht so schön, während offene Gitarrenakkorde vorbeirauschen. Tremolo für eine Karussellfahrt. Junger Mann zum Mitreisen gesucht. Ich melde mich, ohne zu wissen auf was ich mich da einlasse. Ich würde sogar eine Lederjacke tragen. Noise-Pop stand mal auf ihren Koffern. Der Noise ist nicht ganz auf dem Flughafen vergessen worden, doch das Bügeleisen hat doch versucht, die Falte richtig zu setzen. Ein Kellerloch dient nun zur Tanzteeparty. Die Crystal Stilts sind so einfach gestrickt, dass man ihnen nicht böse sein kann, wenn Songs schon mal vor sich hindaddeln. Grillengezirpe und eine Gitarre, die Dick Dale so schon immer spielte, nur langsamer heben ihre Augenbrauen. Das sind eh die Qualitäten dieser Band. Diese langatmigen Rauschparts, die sich unbekümmert die Zeit nehmen, um einer Melodie zu folgen. Brad macht dann den Prediger, der seine Sonnenbrille niemals abnimmt.
Die Mischung ist es, die einen gefangen nimmt. Ein schneller Schunkler mit Lollipop gesellt sich neben den Frustschocker, der dich dann doch nicht mehr an den Sommer glauben lässt. Besoffene Songs reihen sich in die Psychocandy-Welt der Reid-Brüder ein. Die Kinks wohnen um die Ecke, um den Byrds die Federn zu stutzen. Knatterblues für Todesmutige. Gutes zweites Album.

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