Seefeel – Seefeel

Was in den 90ern ein von Effekten durchschossener Futon aus Pad-Sounds und anderen Verschwommenheiten war, kommt nun komplett durchrenoviert zurück. Nur Marc Clifford und Sarah Peacock sind übrig geblieben von der alten Stammbesetzung sowie einige Teile des alten Konzepts, nämlich mit Schlagzeug, Bass und Gitarre zu arbeiten. Trotzdem muss man, von einem umfassenden Neuanfang sprechen. Hier wird nicht mehr verhuscht und abstrahiert, sondern sehr konkret und kompromisslos gearbeitet. Schamlos werden Rhythmen und breitbandige Synthesizerattacken aufeinander losgelassen. Groß sind die Gesten. Noch größer ist das knarzige Gebell.
Was weiter passiert, ist na am Experiment. Die immer scharf konturierten Gegenläufigkeiten schichten sich mit Fortune übereinander, können jedoch im nächsten Track ebenso schnell wieder in sich zusammenfallen. Dazwischen immer wieder kurze Soundverschnaufpausen; dann auch mal scharfe Klangwellenberge in einfacher Richtung und in Reverse. Es schwappen die Sägezähne meist wie grob- bis mittelkörniges Schmirgelpapier. Besonders stark ist das schon zuvor auf einer EP ausgekoppelte „Faults“ mit seinen freundlich-surrealen Gesangslinien, die mit Synthesizer-Arpeggios und Schlagzeug in einem atemlosen Aneinander-vorbei-Schwingen bis zur kompletten Erschöpfung kämpfen. Sicher, das Ausfransen in Lavalampenartiges gehört immer noch zum guten Ton, aber mit mehr Druck und Kontur alls jemals zuvor. Wer braucht eigentlich noch Mount Kimbie, wenn es bei Seefeel viel mehr Ausdrucksstärke und Musikalität zu entdecken gibt?
Seefeel ist Ende Januar 2011 bei Warp Records erschienen.

0 Gedanken zu „Seefeel – Seefeel“

  1. anmerkung: vor allem finde ich bemerkenswert, dass bei seefeel (seit ihrem debut) nie so ganz klar wird, welches instrument so wabert und wummert (synthie, e-gitarre, e-bass?)
    und das in der rezension auf namedropping bzgl der neubesetzung verzichtet wird, ist ja auch mal erfischend

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