xrfarflight – Under the spell of the cyclops’ view

xrfarflight haben sich nie darüber Gedanken gemacht, ob irgendetwas fehlt. Zwei sind nicht drei und drei nicht vier.
Der Indiezirkus hat den Direktoren gefeuert, nun müssen die Artisten alles alleine stemmen. Da ist es hilfreich, wenn man nur zwei Mäuler zu stopfen hat. xrfarflight teilen sich irgendwie alles. Das klingt nicht eigensinnig, sondern konsequent. Ihre Musik streift den Psychedelic Rock vergangener Jahrzehnte. Das soll aber nur ein Unterstrich sein. Darauf bauen sie kein Haus, sondern einen Schrebergarten. Schön, dass ihnen noch Cure-Verweise gelingen, die nicht platt und aufgesetzt wirken. Ihr Schrebergarten blüht. Die Indie-Fahne steckt fest im Rasen und die Hollywoodschaukel hat ihren eigenen Takt. Gitarren-Riffs fliegen durchs Sonnenlicht, bleiben manchmal am Fliegenkleber hängen, doch oft summen sie einfach schön herum. Eintagsfliegen leben auf einmal doch länger. Schön.
Welche Wundertüte man gerade aufreißt, bleibt manchmal unklar. Ist es die für Mädchen oder die für Jungs? In den ruhigen Momenten, in denen die Stimme, was zu erzählen hat, knabbern die Mädchen an ihren Nägeln. Die Jungs erfreuen sich an den verqueren Gitarrenlicks oder an der Steigerung. Mädchen mögen keine Breaks. Jungs hingegen stehen gerne mit gesenktem Haupt auf der Tanzfläche und schütteln die Mähne. Gut, die Tanzfläche ist bei xrfarflight nur der Rasen, doch ohne Schuhe macht es auch hier Spaß.

Das Duo aus Hamburg, das live neuerdings durch Nadja Rüdebusch verstärkt wird, bietet für jeden etwas. Dies kann manchmal ein wenig den Fokus verschieben, ist aber auch ein Experiment im Songwriting. Nur eine Strophe und eine Bridge reichen nicht. Der Klang steht für die Jungs im Vordergrund, der instrumentale Aspekt. Ihne geht es um das Ausufern, um den Sprung von der Hollywoodschaukel und das sanfte Landen. Die Melodieverliebtheit ist manchmal arg hinderlich, lässt aber lächeln.
xrfarflight haben sich ausgetobt, ohne den Boden zu verlieren. Die richtigen Ausbrüche fehlen, da sind sie dem Pop wohl doch näher als sie glauben. Experimente gibt es nur bei der Suche nach Akkordfolgen. Obwohl ständig gesungen wird, hat man nicht das Gefühl, dass die Stimme ein Instrument ist. Wie beiläufig kommt die Stimme ins Gerüst, hinterlässt ein wenig Wehmut und fliegt dann unbekümmert weiter. Die Drums hingegen bäumen sich gegen die Songs, gegen das Konstrukt auf und wirbeln. Vielleicht sollten xrfarflight darüber nachdenken die Stimme ganz wegzulassen. Obwohl dann wären auch die Mädchen weg. Denn die brauchen noch Gesichter mit Mündern, aus denen was rauskommt. Ihnen reichen keine flinken Finger auf Griffbrettern. Under The Spell Of The Cyclops’ View ist eine schöne kleine Perle, die sich langsam in den Partyabend schiebt. Die Harten legen nach der ersten Wurst dann zwar Polvo auf und einige der Mädchen schwören auf Bikini Kill, doch der Anfang ist gemacht.
Under the spell of the cyclops’ view ist bei Hafenschlammrekords erschienen.

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