Six Organs Of Admittance – Asleep On The Floodplain

Muss man immer fragen, ob Musiker einen Schritt zurück gegangen sind, um eine neue Phase des Schaffens zu erklimmen? Das klingt immer so, als wäre der Musiker nicht mehr fähig, zukunftweisende Musik zu produzieren. Ben Chasny ist das völlig schnuppe. Er fährt mit dem Zug gerne zurück. Er fährt durch helle Landschaften, das Fenster ist auf Kippe und der Whisky wird brüderlich geteilt. Mit den Füßen auf den Sitzen wird an alte Spielenachmittage und Höhlen in der Kindheit gedacht. Die Höhlen waren nicht immer draußen und die Geschwister meistens doof.
Chasny bereist sein Amerika. Die Songs sind Postkarten und Fotoalben. Die Ambientphase mit den schallenden Drones ist zwar nicht ganz überstanden oder vergessen, denn in drei Tracks kommt der sehr an Hecker oder Fennesz erinnernde Sound kurz zurück. Einmal sogar für satte zwölf Minuten. In diesen Phasen verliert sich Ben mit seiner Gitarre in dem Dröhnen und der Akustik. Er nimmt sich Zeit. Orgeln preschen an vibrierenden Saiten vorbei und klingen nach Seefahrt.

Die anderen Songs sind klare schöne John Fahey/Jim O’Rourke-ähnliche Kompositionen, die auch mal seine Stimme zulassen. Chasny singt mit sich im Chor. Er begleitet die Stücke fast unbewusst. Er schenkt den Liedern eine Normalität. Von Leichtigkeit sind die Stücke nicht gerade beseelt. Eine gewisse Trauer schwingt mit. Eine Erinnerung an die eigene Kindheit, an Orte und an Heimat. Chasny schafft es zu fesseln. Gerade die sphärischen Songs haben eine ungemeine Kraft, die einen mit Wehmut alleine lassen. Das berühmte Kopfkino holt die Spulen aus dem Keller. Chasnys Gitarrenspiel ist schön sauber. Er wiederholt gerne einzelne Teile. Ein Summen wird zu einem Berg. Schöne Platte, die keine Jahreszeit benötigt und auch die Frage nach den Rückschritten wissentlich nicht beantwortet.
Asleep On The Floodplain ist auf Drag City erschienen.

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