Former Ghosts Live – Hamburg, Astra-Stube 28.2.2011

Die Künstler bitten, dass während des Konzertes nicht geraucht wird! Und das in der Astra-Stube! Als der erste Schock verflogen ist, betreten Former Ghosts die Bühne. Former Ghosts-Kopf Freddy Ruppert und Jamie Stewart haben Gastsängerin Nika Roza Danilova (Zola Jesus) zu Hause gelassen. Zu zweit beginnen sie mit “New Orleans”, der Hymne des neuen Albums “New Love”. Sofort wird klar, dass heute ein außergewöhnlicher Abend werden wird.
Der Sound passt und Freddy ist in Powerlaune. Er steigert sich während der Songs, aber auch danach immer wieder in Trance. Obwohl Trance vielleicht falsch ist. In Stimmung ist da wohl passender. Freddy braucht das, um die Songs zu singen. Wie auf dem Sprung, wie kurz nach einem Heulkrampf oder einem Straßenkampf. Er atmet schnell und heftig. In den Pausen zwischen den Stücken ist es mucksmäuschenstill. Man hört nur Freddys Atem und ich beobachte die Blicke, die sich Jamie und Freddy zuwerfen, um zu überprüfen, wann der nächste Song an den Start geht, ob auch beide bereit sind weiter zu machen. Das Weitermachen ist auch Themengrundlage der Texte. Lohnt es sich?

Jamie Stewart hält sich zurück. Er bedient die Tasten, singt durch ein Hall-Walkie-Talkie einige Backingvocals. Doch das Wichtigste, er macht den Rhythmus. Immer wieder greift er zu seinen Sticks und bedient die Snare und die Standtom. Als Höhepunkt nutzt er seinen schon bei Xiu Xiu erprobten Becken-Baum. Kleine Spitzen werden betont. Auf einmal groovt es. Nicht nur die stumpfe Bassdrum aus dem Laptop, sondern die ganze Umsetzung.
Freddy schnauft schon nach den ersten drei Songs heftig. Er tänzelt, er quält sich. Former Ghosts sind die romantischste Band des Planeten. Düstere Synthie-Hits der beiden Alben werden kraftvoll runtergespielt. Keine großen Worte ans Publikum. Ein “Danke fürs Kommen!” muss reichen. Das Hamburger Publikum weiß nicht so recht, wie es Former Ghosts einordnen soll. Einige Frauen schmunzeln über Freddy, der immer wieder seine Tolle schüttelt, um noch wahnsinniger zu werden. Musikpolizisten flüstern was von Joy Division. Nein.
“Taurean Nature” wird zum besten Song des Abends. Anders als auf Platte gespielt, hat der Song eine unglaubliche Kraft. In der Bridge haut Stewart wie ein Berserker auf die Trommeln ein. Schlägt wild die Becken. Alles weg vom Takt. Zerstörung. Nur ein Ausbruch, während Ruppert einfach schreit. Der Song baut sich wunderbar auf und kommt zur Schlussfolgerung “Forever Yours”. Doch dann haut Stewart wieder auf die Felle. Brachial. Former Ghosts spielen natürlich keine Zugabe. Jamie Stewart kauert in der Ecke und atmet erstmal durch. Seine Tolle hängt ihm im Gesicht. Der DJ der Astra-Stube macht Dance an. Die Notwendigkeit wird sein Geheimnis bleiben. Stille wäre die beste Musik nach Former Ghosts gewesen. Oder die Lautsphäre eines Sauerstoffzeltes. Wunderbares Konzert!

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