Natalie Beridze Tba – Forget`fulness

Synthesizerbasierte Traumräume treten in großer Robe auf. Maschinen-Märchen aus 1001 Nacht. Hallfahnen wehen wie orientalische Schleier durch dämmrige Elektro-Nebel. Von allen Seiten werden wir in füllige Padsounds gebettet. Darüber entfaltet sich ein zarter Sprechgesang, der ganz nah an unsere Ohren dringt. Dieser Gesang ist auch die Klammer, die „Forget´fulness“, als ein vielseitiges und versponnenes Elektropop-Album, zusammenhält.
Die aus Georgien stammende Musikerin Natalie Beridze Tba veröffentlichte zunächst im Sommer 2010 eine 5-Track-EP. Nun erscheint mit “Forget`fulness” Beridzes Debütalbum, das weder um Aktualität und Trends bemüht zu sein scheint, noch als altmodisch oder retrospektiv zu bezeichnen wäre. Oder anders gesagt entpuppt sich die vordergründige Unscheinbarkeit der Musik Beridzes beim Lauschen mehr und mehr als zurückhaltende Ausgereiftheit.
Auf „Forget`fulness“ finden sich ebenso ruhigere Nachdenklichkeiten (The Face We Choose To Miss) wie auch fast an Rhythm ‘n’ Noise orientierte Stücke (What About Things Like Bullets). Sogar ein gemeinsam mit keinem geringeren als Ryuichi Sakamoto entstandener Track fand Einzug in das Album. Und trotz ihrer stilistisch schwer zuzuordnenden Vielgestaltigkeit blinkt aus allen Nummern eine um Geheimnis heischende Poesie, die einem sympathischen Kauz wie Momus (merkwürdig, der lebt ja inzwischen auch in Japan) zusagen müsste. Der letzte Schleier wird eben nie gelüftet. Eine Platte, mit der man sich an einem kühlen Abend in der Fremde erfolgreich trösten können müsste.
“Forget`fulness” erscheint Anfang März bei Monika Enterprise.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.