Mark Fell – Multistability

Verirrt, verstreut, versprüht, möglichst weit weg vom Ursprung des geraden Weges jedenfalls, und schon lange nicht mehr im Sichtfeld der Skala von 4/4tel-Rhythmen befinden sich die Arbeiten des in Sheffield lebenden Musikers Mark Fell, der durch seine langjährige Mitarbeit beim Duo SND bekannt ist.

Wenn SND einer Gattung von elektronischer Musik zuzuordnen ist, die sich der mikrostrukturellen Musterveränderung, ja Muster-Evolution verschrieben hat, so gehört das Solowerk von Mark Fell einer verfeinernden Unterart dieses Konzeptes an. Die klanglichen Elemente werden auf „Multistability“ feinstofflicher, weicher und perkussiver. Gleichzeitig wird das Tempo erhöht. Daraus folgt eine Verdichtung semi-repetitiver Muster bis zu dem Bereich, an dem schon fast flächige Agglomerationen von perkussiven Sounds entstehen. Knarzige Verdichtungen von aufregenden Unregelmäßigkeiten werden zu einer fast undurchlässigen Klangansammlung auf engstem zeitlichem Raum. Die Feinmaschigkeit der Patterns wird soweit erhöht bis sich die daraus entstehende Masse mit Undurchsichtigkeit definiert.
Auf einer anderen Ebene schreitet gleichzeitig eine Evolution des Reduzierens voran. Manchmal bestehen ganze Stücke nur noch aus einer Solospur. Der Minimalismus eines solierenden synthetischen Klanges schafft ohne jeden weiteren Aufwand den größtmöglichen Kontrast zu der hinter ihm liegenden Stille. Ein punktierter Strich vor weißer Wand.
„Multistabilty“ zeigt vor allem auch, dass es Anfang des 21.Jahrhunderts mehr als geboten zu sein scheint, den Einsatz von Mustern, die durch mathematische Algorithmen exakt zu beschreiben sind, gerade in der Komposition voranzutreiben. Wie weit ist dieses Konzept noch zu treiben? Nein, nein, falsch gefragt. Was wird uns die voranschreitende Autonomie elektronischer Systeme als nächstes bringen? Dies ist nämlich erst der Anfang einer viel weitreichenderen Entwicklung von Musik unter dem Einfusses von Automation und Autonomie. Mark Fell weiß das. Seine Musik ist geprägt vom reinen Glanz der Rationalität.
“Multistability” ist im November 2010 bei Raster Noton erschienen.

3 Gedanken zu „Mark Fell – Multistability“

  1. hi axel!
    ich bin grad auf das debut-album von black swan “in 8 movements” gestossen. mich hats grad beeindruckt…hast du das schon zu ohren bekommen? ist bei experimedia erschienen.
    (wahrscheinlich ist mein comment hier falsch…hab keine persönlichen email-adressen gefunden oder so)

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