Delicate Steve – Wondervisions

Das hätte man nicht erwartet. Harmonien ziehen sich durch dein Afrika des Herzens und du machst nicht gleich auf Safari oder Kreidler, sondern schmunzelst einfach über so viel Weirdness. Die komplexe Welt hat die Tiere weggesperrt. Delicate Steve ist der Pfleger, der zum Ausmisten kommt und in einer Nacht und Nebel-Aktion die Tiere befreit.
Die Gitarre steht in der Steppe und spielt mit wunderbarem Sound die Stimme des Löwen nach. Einmal taucht sogar eine Stimme auf, die klingt aber eher nach dem “Mirácoli ist fertig”-Ruf als nach richtigen Gesang. Für den Bandnamen gepaart mit dem Albumtitel gibt es schon mal zwei Gummipunkte Vorschuss. Und der Rest?
David Byrne weiß schon, warum er sich den jungen Steve Marion auf sein Label geholt hat. Sein Gitarrenspiel erinnert an die besten Momente der Dirty Projectors. Glückseligkeit geht in Spleen daher. Afrika wird durchkämmt. Vampire Weekend werden verarscht. Ach was, an Raubtiere verfüttert. Enthusiasmus kann man Steve vorwerfen. Nach der Bridge kommt die zweite Bridge, dann der Brunnen. Eine Schule wird morgen eingeweiht. Maria Furtwängler spielt sich selbst. Ekstase wird ausdrucksvoll getanzt. Das Schlagzeug haut auf die Felle, dir bleibt kurz die Spucke weg.

Steve ist auf der Suche nach Wahrheit, Heimat und Folklore. Er streift den Rock nur ganz sanft, bleibt aber auch nicht in der spießigen Worldmusic hängen. Er will wild sein. Ja, fast kindisch. Mit vielen lachenden Augen hängt er den Himmel ab. Fast krakelig sind manche Songs angelegt. Einer Art Krach wird gefrönt. Aber ein Krach der schrill ist, nicht unbedingt laut oder verzerrt. Keyboards spielen den Regenbogen nach. Ganz kurz. Eine akustische Gitarre holt den Sommernachtstraum aus dem Gehege. Intro, Outro oder Zwischengang? Steve ist ein Universum-Hitchhiker. Er hält den Daumen raus, springt kurz auf Züge, Raumschiffe oder in Kängurubeutel, doch lange dauert seine Reise nicht. Zu viele neue Ideen könnten unterwegs verloren gehen. Instrumentalmusik für den Gitarrenpopper, der es liebt, wie die Pausenglocke auf dem Schulhof klingt. Steves Stimme ist die Fender Telecaster. Ricky King wird für die Flaming Lips gecastet.
Wondervisions ist bei Luaka Bop erschienen.

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