Chain & The Gang – Music's Not For Everyone

Ian Svenonius war immer schon nah am Bühnenrand, immer schon halb im Publikum. Egal ob bei Make-Up, Scene Creamers, Weird War oder Nation of Ulysses. Er bleibt ein Prediger, ein Texter und ein Vorturner. Wenn man einmal Blut geleckt hat, dann gibt es kein Entkommen.
Die Musik rückt fast ein wenig in den Hintergrund, obwohl alles am rechten Platz sitzt und die Produktion Livecharakter hat. Ein Blues zieht durch die Kirche. Die Gläubigen stehen nah bei Ian, um etwas Schweiß und Messwein abzubekommen. Ian will uns befreien von den scheußlichen Resultaten, der so geliebten Freiheit. Er legt uns wieder Schellen um, zieht uns in sein Manifest und die Schuhe aus. Halleluja.
Die Orgel schuffelt sich dauergrinsend in deine Pobacken. Das Schlagzeug hat den Proberaum nicht verlassen. Es scheppert ohne Wolldecke in der Bassdrum. Bei jedem Tritt kommt sie näher. Ian schreit sein Manifest in guter alter Fernsehprediger-Tradition runter. Der Blues fährt rückwärts in die Garage. Mit dem Außenspiegel bleibt Ian schon mal am Tor hängen. Er fährt eh lieber mit der Kutsche. Ach was er geht zu Fuß. Das Piano wechselt zur Orgel und spielt die erste Geige. Ein weiblicher Sidekick versucht etwas Süße in das raue Paket zu hauchen. Doch aus sie erkennt die Farben des Blues und kreischt genüsslich mit. Spoken Word? Punk?

Angestaubte Riffs lösen sich aus der Zimmerecke im Nichts auf. Aber der Groove lässt einfach nicht nach. Der Beat steht wie eine Eins. Ian schnaubt. Booker bringt sein T mit und verscherbelt es an die Kids, die noch ungläubig den Mann im weißen Anzug anstarren. Der Titeltrack lässt nur Stimmen kreisen. Poetry Slam für die ganz Wachen. Ein Schellenkranz gibt irgendwie den Beat dazu. Die Kirche den Hall. Politik in Gospelmanier.
Die Kids fordern den Schweiß, sie fordern wieder Musik ein. Nach fünf Minuten des Vortrages gibt es wieder Romantik und sogar ein Stück weit Pop. Ian Svenonious ist die Überraschung des Jahres. So eigensinnig, retro und arschlochmäßig wird wohl dieses Jahr keiner mehr aufschlagen. Grandiose Platte. Wem Jon Spencer zu sexy und asi ist, dem sei die Truppe Gefangener ans Herz gelegt. Hammer!
Music’s Not For Everyone erscheint bei K Records

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