MEN – Talk About Body

Ein guter Slogan kann schon einen Song retten oder zumindest hellhörig machen. MEN versuchen ihre Slogans, in ein Format zu pressen. Das klingt oft gewollt, aber gut gemeint.
Postpunk-Gitarren schieben sich in die Stratosphäre. Die Drummachine poltert alte Beats herunter. Ein Grizzlybär-Tattoo schmückt den Körper. Und der Schnauzer kitzelt die feine Nase.
JD Samson hat sich ihre Kollegen geschnappt, um endlich ihre Version von Punk, Talking Heads und Frida Kahlo auf Band zu bannen. Die Le Tigre-Tage sind vorbei, obwohl natürlich jeder Akkord an sie erinnert. Die Songs sind eingängig. Einige kann man sogar mitgröhlen. Doch prollig wollen MEN nicht sein.

Die 80er sitzen im Detail, die Disco bekommt neues Futter und Cindy Lauper neue Freude. Botschaften werden in zackige Offbeats gepackt und auf die Tanzfläche geschoben. Der erste Song ist wahnsinnig lang geraten. Nach drei Minuten bau ich ab. Ich bin irritiert. War ich nicht mal Fan dieser Musik? Ja, aber MEN kommen leider nicht auf den Punkt. Sie verfransen sich in den Zitaten, in der Referenz. Doch es wird besser.
Schon “Credit Card Babie$” groovt stark. Die angezickte Gitarre lässt sich fallen. Der Chorus hat schöne Sprengsel. Ein schepperndes Drumbreak holt alles aus der Hölle. JD Samson singt, spricht und fabuliert. Schön.

Kleine Hymnen folgen nun. Wenn man nicht wußte wie die Band aussieht, könnte man auf den Gedanken kommen, dass die Sängerin wie Lady GaGa ausschaut. Oder wie Ke$ha. Na ja, so weit ist JD Samson gar nicht weg. Ein Titel wie “Boom Boom Boom”, mit Leuchtsticks im Arsch, würde gut ins Vorprogramm dieser namenhaften Stars passen. Die Lady GaGa-Kinder im Publikum würden sagen: “Ich fand den Sänger irgendwie komisch.” Die Geschlechtertauschromantik wird hier auf eine andere Ebene gehoben. Dabei wird aber nie die Party missachtet. Zieh dein Shirt aus! Lass dich fallen und entdecke dich selbst. Du bestimmst hier.
Es geht um Wiederholung. Parolen werden gedroschen. Es wird getanzt. Paartanz wird abgelehnt. Du machst dir deine eigene Party. Der Bass pulsiert an den Rändern. Willst du Frau sein, Mann sein, frei sein? Und wer bist du, um das überhaupt entscheiden zu können?
MEN suchen nach Nischen, doch ihre Mittel sind die Gestrigen. Natürlich klingt das alles nicht schlecht, doch leider ein wenig langweilig. Der Holzhammer sitzt im Witch-House. Man wird den Eindruck nicht los, dass es hier gar nicht um Musik geht. Der Gitarrensound überzeugt. Wirklich gute Arbeit. Die Songs, die irgendwie um JD Samson rumgebaut wurden, sind nur kleine Böller. Sie zünden nicht richtig. Öde Teppichknaller.
MEN werden weiterhin ihre Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben. Das Album wird dennoch nur ein kleines Leuchten erzeugen, da kann JD Samson so viel pusten wie sie will. Sie wird das Feuer nicht zum Lodern bringen. Und die Kids gehen nach dem Lady GaGa-Konzert mit ihren Eltern nach Hause und gucken Vampirfilme. Sexuelle Selbstbestimmung gibt es noch nicht als App.
Talk About Body ist bei Iamsound (Sony Music) erschienen und kannst du hier hören.

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