Prinz Pi – Rebell ohne Grund

Pi is back, doch Pi war nie weg. Nur ich habe ganze zwei Platten ausgesetzt und Teenage Mutant Horror Show II und die Illuminati EP an mir vorbeiziehen lassen. Nun also „Rebell Ohne Grund“, was ein perfekter Titel für den nerdigen Schnöselrapper Friedrich Kautz ist. Die erste Single „Du bist“ zeigte schon den Willen zum Kommerziellen. Doch nicht falsch verstehen, ich meine geil kommerziell, nicht den Sell-Out.
„Du Bist“ hat einen Beat, der mit seinen Akustikgitarren und der gefälligen Hook auch dem Mainstream gefallen würde. Und natürlich geht es um Liebe, das kommt da eh gut an. Überhaupt geht es auf „Rebell Ohne Grund“ mehr um Liebe als um Rebellion. „Kein zünd die Welt an“, vielmehr „ETC.“, wo es heißt „Ich mit meinen 99 Problemen – Und alle sind Frauen“. Das klingt irgendwie eklig nach Patriachat, ist bei Pi aber dann doch reflektierter und mit einem Augenzwinkern vorgetragen. Und wahrscheinlich hat er Recht, wenn er im selben Song „Sigmund könnte sicherlich mein Frauenbild mal untersuchen“ droppt – meines übrigens auch.
Textlich könnte man Prinz Pi einiges vorwerfen. So auch „Drei Kreuze für Deutschland“, das einfach viel zu vereinfacht ein komplexes Thema behandelt. Doch das ist gutes Storytelling, das ist auch nur ein Song und keine Abhandlung. Und so ist es bei vielen Punkten. Einzig das Feature mit Frauenarzt mag ich ihm nicht verzeihen. Ich hab kein Herz für Atzen, das musste nicht sein.

Pi hat mit „Rebell Ohne Grund“ ein Album geschaffen, das durch Vielseitigkeit besticht. In „Virus“ zitiert er die Pixies und in „Generation Porno” kommen die C64er Sounds zum Einsatz. Neben Stammproduzent Biztram, weiß vor allem Whizz Vienna zu begeistern. Beim unglaublich charmant-lustigen „Königin von Kreuzberg“ kommen auch verzerrte Gitarren zum Einsatz und man kann sich gut vorstellen, dass der Track bald in einem autonomen Zentrum gefeiert wird. Absoluter Party-Kracher und Hymne mit tollen Zeilen wie „Die Mädchen in der Szene sind so indivudell / dass sie wieder alle gleich sind, in diesem Duell“.
Und so löst sich der Conscious Rap mit Partykrachern ab. Wird über Wittgenstein, Xanax, Dylan und Ulrike Meinhoff, aber auch über Eifersucht, Liebe, Gelegenheitsficks und Party gerappt. Und es mag am Ende eitel klingen, wenn Pi in „Beweis dagegen“ den deutschen Rap verabschiedet und u.a. Maeckes, Tua und Casper als Gegenbeispiele feiert, aber er hat recht. Und ich hoffe er behält recht und ehelicht Ada Blitzkrieg tatsächlich. Und das Fazit? Geile Platte an der ich mich noch lange reiben werde. Aber letztendlich behält Kautz recht, wenn er sagt: „Meine Musik ist wie schüchterne Frauen, einfach ein Herz fassen und anmachen.“

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