Deerhoof – Deerhoof vs. Evil

Kann man denn überhaupt gewinnen, wenn man gegen das Böse antritt? Deerhoof stellen sich diesem Duell und was soll ich sagen, das Böse ist schon stark. Es hat mehr Muckis, mehr auf den Rippen. Aus ihrer lethargischen Position heraus, versuchen die San Franciscans die Oberhand zu gewinnen, doch das Böse hat zunächst die besseren Waffen. Auf den ersten Blick.
Deerhoof bleiben bei ihren vertrackten Rhythmen, ihren zerfetzten Gitarren und dem leicht säuerlichen Gesang. Oft pfeift das Feedback der Gitarren so laut, dass man Satomi Matsuzakis Stimme nur noch als Gesäusel wahr nimmt. Ist das Englisch? Erst auf” No One Asked To Dance” gibt es eine Ruhephase. Spanisch oder brasilianisch anmutende Klänge bringen das Kleine zu Bett. Ob es ein Auge zumachen wird ist fraglich. Das Böse hockt doch hinter der Gardine oder unter dem Bett.

Deerhoof haben sich geöffnet. Ihre Songs bieten nun mehr Struktur und Platz, auch wenn alles nur vorbei huscht. Man hat das Gefühl, dass eine klarere Linie vorhanden ist. Manchmal kommt eine Filmmusik durch. Ob ein Liebesfilm mit solchen Akkorden ausgestattet werden dürfte? Die Snare scheppert, das Keyboard macht große Töne. Progressive Rock. Manchmal weht ein Hauch von Pizzicato Five ins Krisengebiet. Aber mit Easy Listening hat das nichts zu tun. Disco war gestern. Asiatischer Spleen auch. Deerhoof versuchen ihre Kräfte zu bündeln. Nicht alle Songs sind diesmal vollgestopft. Die wirren Phasen wechseln sich mit stimmungsvollen Grooveparts ab. Die Keyboards bekommen mehr Platz, obwohl sie häufig mit Noiseattacken penetriert werden. Sie würden gerne mal alleine stehen. Gut, einen Ton habt ihr!
Da kommt schon der nächste Richtungswechsel. Eine gepickte Gitarre gibt den Bossa Nova vor. Wo ist der Bass? Das Böse hat ihn geschluckt. Gitarren versuchen, so tief wie möglich zu hängen. Der Noise ist nun verwunschenen Stimmen gewichen. Am Strand von Ipanema wird ein Feuerchen gemacht. Das Böse ist nur noch in Matsuzakis Augen zu sehen. Aber hey, alles nur Tarnung. Deerhoof machen immer noch Rockmusik ohne Ziel. Das macht sie aus. Das wird ihnen dann wohl den Sieg über das Böse bringen. Ziellosigkeit ist gefährlich. Immer dann, wenn es stark groovt laufen die Amerikaner zu Höchstform auf. Da überhört man sogar das sweete Stimmchen von Satomi, die immer das Stereolab-Gefühl in den Rock tragen will. Ihre Darbietung ist sauberer geworden. Auf den älteren Platten sang sie noch einfach drüber. Oft aber auch für sich und daneben. An die Dirty Projectors reichen sie immer noch nicht heran, doch ihr Weg ist nun eindeutiger zu erkennen. Und wie gesagt, wenn es groovt, guckt das Böse blöd aus der Wäsche und kommt nicht mehr mit.
Deerhoof vs. Evil erscheint am 28.1.2011 auf Polyvinyl

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