Klassiker: Shakin’ Stevens – Shaky

Da werden mal wieder einige mit dem Kopf schütteln. Jetzt dreht der Vazquez völlig durch. Eine Kategorie zu eröffnen, die sich ausschließlich mit Klassikern beschäftigt ist das Eine, doch dass Shakin’ Stevens darin auftaucht, erscheint auf den ersten Blick ziemlich frech.
Wer entscheidet, wer oder was den Klassiker-Stempel bekommt? Wie viele Jahre muss ein Album auf dem Buckel haben?
Für mich ist Shakin’ Stevens eine wichtige Figur und die Platte “Shaky” hat mich sehr beeindruckt. Ich war acht Jahre alt, als Shakin’ Stevens in mein Leben trat. Elvis war seit vier Jahren tot. Für mich war der King unwichtig. Ich brauchte was Lebendiges. Shaky lebte, ihn konnte ich im Fernsehen sehen. Er trug die knappe Jeansjacke oder das pinke Sakko. Mit dem Tennisschläger vor dem Spiegel gab ich den Rock’n’Roller. Eine Tolle war das Ziel. Doch zu viele Friseur-Termine ließen es einen Traum bleiben.

Die Single “You Drive Me Crazy” war für mich der Überhit. Es reichte nicht, nur die Vinyl-Single zu besitzen. Ich wollte das ganze Album. Meine Mutter war so lieb und schenkte es mir. Wie ein Heiligtum behandelte ich das Cover. Shaky war vorne drauf und schmiss sich in Pose. Die Posen waren es auch, die mich restlos überzeugten. Ich wollte mit weißen Slippern durch mein Kinderzimmer tanzen. Die Musik war fast zweitrangig. Gut, Rock ‘n’Roll fand ich schon cool, aber noch mehr faszinierten mich die Midtempo-Nummern und Balladen. Shaky war der Schnulzensänger, der mein Herz berührte. Er klang anders als die Schlagerheinis aus der Hitparade. Vielleicht ließ ich mich aber auch von Shakys Englisch blenden. Ich sog jedes Schnaufen, jedes Schwelgen, jedes Brummeln auf. Aus heutiger Sicht, hätte es auch Peter Kraus sein können. Nein, nein, nein, Stevens war halt cool und Peter Kraus alt und deutsch. Shaky war mein Held.
Erst später entschied sich Stevens, sich noch mehr den Liebesliedern zu widmen. Weihnachtslieder und Duette folgten. Auf “Shaky” war er noch der Rebell, der Tänzer, das Elvisimitat. Green Door war auch eine Hymne, die durch mein Zimmer schallte. Grüne Tür, mehr gab es da nicht zu verstehen. Das Boogie-Woogie Klavier in den schnellen Songs ließ mich hüpfen. Alles, was ein Mikrofon sein könnte, wurde eins. Ich wollte Musiker werden. Oder Tänzer. Oder Tennisspieler. Jedes Gitarrensolo auf dem Racket dauerte nur einen kurzen Augenblick. Man wollte nicht von Stevens ablenken. Er war der Tiger. Die Band muckte hinter ihm, wenn er in der ersten Reihe die Mädchen küsste oder ein Rad schlug.
Die Songs klingen, wenn man sie heute hört, alle sehr ähnlich. Kein Akkord fällt aus der Reihe. Ein Album, das aus jetziger Sicht fast als langweilig zu bezeichnen wäre, wären da nicht drei wirkliche Knüller. Green Door, You Drive Me Crazy und It’s Raining funktionieren einfach. Die Jukebox glüht. Ich bekomme ein wohliges Gefühl im Bauch. Ich singe automatisch mit und merke, dass ich das Kauderwelsch-Englisch meiner Kindheit benutze. Gelernt ist gelernt. Erinnerungen kommen hoch. Schöne und manchmal auch traurige. Vorbilder kann man sich nicht immer aussuchen. Oft fallen sie einem zu und man muss mit ihnen leben. Es gibt schlimmeres als Shaky. Aber reicht das alles zum Klassiker? Manchmal ja.
Shaky erschien 1981 bei Epic

0 Gedanken zu „Klassiker: Shakin’ Stevens – Shaky“

  1. nun ja, diese rezension ist schon ziemlich daneben. Sie lebt von erinnerungen, was vor allem daran zu merken ist, dass der autor schreibt, die single-hits seien letztendlich das einzig gute an der platte. tatsächlich ist es aber so, dass die lp einige rock’n-roll-Diamanten enthält und die hits im gegensatz dazu eher blass und schwach wirken. Shakin’ stevens war beim einspielen dieser lp auf dem höhepunkt seines schaffens, und wer genau hinhört und dabei vergisst, dass shaky als schnulzenrocknroller angesehen wird, der wird hören, dass man hier guten rock’n roll serviert bekommt…abgesehen von den hits…die kann man getrost vergessen

  2. Lieber Yücel, danke für Deine Kritik. Dass es “Shaky” in die Kategorie Klassiker geschafft hat, spricht doch für die Platte. Ich bin Fan der Hits, das mag subjektiv sein und ein wenig kindisch, das macht aber auch einen Klassiker aus. Ein Klassiker ohne Hits, ist wohl schwer zu finden. Da ich bei Erscheinen der Platte erst acht Jahre alt war, ist auch nicht von der Hand zu weisen. So spielt die Erinnerung eine große Rolle. Shaky ist ein Held meiner Kindheit. Das wird so bleiben. Mit oder ohne Hits und du hast recht, dass dies die beste Shaky-Scheibe ist. Obwohl die Songs Give Me Your Heart Tonight, Shirley, Cry Just a Little Bit und Breaking Up My Heart auch noch zünden. Leider auch Hits.

  3. Hallo Zloty Vazquez.
    Ja, natürlich war Shakin Stevens vor 30 Jahren d i e riesengrosse Nummer. Die er nicht gewesen wäre, wenn er nicht unzählige Fans in seinen Bann gezogen hätte.
    Gezogen h ä t t e ????
    Nix da! Er “zieht” immer noch.
    Und natürlich ist er auch ein Klassiker.
    Habe ihn aber auch a k t u e l l on stage in Gelsenkirchen gehört und gesehen – fantastisch!
    Ebenso wie sein hier in Deutschland leider wenig bis gar nicht propagiertes Album “Now Listen”. Ein sehr rockiger, ganz neuer und sehr erwachsener Shaky ist da zu hören – jetzt allerdings ganz ohne Rockabilly-Einschlag …. auch supertoll.
    Was aber nicht heisst, dass seine früheren Songs nicht ebenso klasse sind.
    Mein Tip: “Now Listen” besorgen ….. und dem Titel folgen : jetzt zuhören!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.