The Decemberists – The King Is Dead

Die Decemberists veröffentlichen im Januar. Welch hübsche Verkaufsstrategie! Obwohl, die Decemberists wirken nicht so, als würden sie den Markt überblicken, sonst hätten sie nicht das Vorgängeralbum ‘The Hazards Of Love’ in den Sand gesetzt.
Colin Meloy hatte sich übernommen. Sein Liederzyklus, der ständig die Farben und Personen wechselte, nervte einfach. Zu viel Märchen, zu viel Progrock, zu viel Folk Revival. Nun knapp ein Jahr später meldet sich Colin zurück. Draußen taut der Weihnachtsschnee und der Böllerdreck kommt zum Vorschein. Der König ist tot, es lebe der König. Dass der Michael Stipe heißt, ist natürlich eine Überraschung.
Peter Buck von R.E.M. hat an drei Songs mitgewirkt. Ja, das hört man. Colin Meloy hat sich noch mal ausführlich mit den Songs von Stipe und Co. beschäftigt. R.E.M. als Orientierungshilfe. Würde ich so auch nicht in ein Poesiealbum schreiben. Aber sachte, R.E.M. sind nur am Wegesrand und winken mit Taschentuch.

The King Is Dead ist ein fruchtiges Folk-Album, das Meloys Stimme in den Frühling trägt. Das Akkordeon lässt das Schifferklavier alt aussehen. Die Akkustik-Gitarren preschen sich an den Volkstänzern vorbei. Die Holzschuhe werden zu Wanderstiefeln und der Kater trägt eine Bundfaltenjeans. Die Decemberists sind zurück im Geschäft. Dass Meloy Songs schreiben kann wissen wir, doch das hatte er in den letzten Jahren vergessen. Nun thront seine Stimme endlich wieder königlich über dem Folkkitsch. Manchmal versucht er cool zu rocken, doch seine Stimme bleibt immer nah bei der Hofnarrästhetik. Er ist der Storyteller, der Tellerwäscher, der Mann mit den Glöckchen um den Fesseln. Er hat die Bassdrum auf dem Rücken. Er trägt diese bescheuerte Mütze. Rocker sehen anders aus. Meloy ist ein Möchtegern.
Die Fiedel fiedelt. Manchmal klingt Meloy wie ein Billy Bragg, der mal wieder auf Woody Guthrie macht. Schön harmlos sind die neuen Songs, die aus der Scheune gucken, draußen das Indie-Pack sehen und schnell wieder umdrehen. Das Banjo quäkt, Jenny Conlees Backingvocals liegen schön in der Mitte. Ja, die Decemberists stehen in der Mitte ihres Schaffens. Mit beiden Füßen im Leben. Eine tolle Folkband! Ich mag Colins Stimme.
Spießig! Man bleibt sich treu. Alte Tugenden werden geküsst, die Braut wird erst in der Hochzeitsnacht ganz entblättert. Da kann man schon mal enttäuscht sein.
The King Is Dead erscheint am 14.1.2011 bei Rough Trade/Beggars

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