Group Doueh – Beatte Harab

Der billige Drumcomputer ist im Sand vergraben worden. Doch auch der neue Percussion-Sound klingt nicht nach Trevor Horn. Group Doueh haben sich auf ihrem dritten Album weiter entwickelt. Von der mit angezerrten Gitarren, die aus einem Kofferradio plärrten, zugeklatschten Hochzeitsband sind sie zu einer Meditationsband geworden.
Natürlich waren die alten Group Doueh-Songs, auch nicht ganz leicht zu konsumieren. Hier wurde für uns Europäer das Tanzen nicht einfach gemacht. Gerade das war das Zauberhafte. Man wusste nicht, wohin mit den Beinen, den Armen und dem Gesichtsausdruck. Doch nun sind die Gitarren so klar und sauber, dass man eher schwebt als schwoft. Eher sitzt als tanzt. Oder vielleicht sogar liegt. Der Rock, der für uns als solcher wahrnehmbar war, ist einer Transzendenz gewichen.
Kleine angekratzte Gitarren-Licks kreisen um sich selbst. Der Beat scheppert irgendwie im Takt, manchmal kaum zu hören. Irgendwas wird angeschlagen. Ein dumpfes Klatschen gibt dir den Kopfnicker vor. Eine Stimme, die nicht männlich oder weiblich klingt, schickt Salven in die Wüste. Oder sind es zwei verschiedene Stimmen? Man fühlt sich wie in Trance. Manchmal glaubt man einen Loop zu hören, so wie es die steifen deutschen Elektroniker machen würden. Die Gitarren ziehen durch die schwitzige Nacht. Ist das ein Delay? Der Beat raschelt und klöppelt. Die Gitarre wird hart angepickt, so dass sie fast kratzig wirkt. Die Ausrufe der Stimme schweben über Klangteppichen. Geht es um Liebe, um Wasser, um Politik? Ob immer noch Brautpaare mit erhoben Armen dazu tanzen?

Saharoui Music. Traditionen und Weltbilder. Kulturgut und Religion. Eine Tinidit wird angeschlagen. Eine dreisaitige Laute. Teegläser kommen zum Einsatz. Mit dem Löffel wird ein Klirren erzeugt. Der Klang ist klarer geworden, doch nicht eindeutiger. Auf den alten Platten hörte sich jeder Song nach Kassettenrekorder an. Nun ist es fast eine Pop-Produktion. Na ja, nur fast. Group Doueh schaffen es immer wieder zu faszinieren. Immer dann, wenn das Repertoire ins Wiederholende abzurutschen scheint, taucht ein neues Instrument, eine neue Klangfarbe oder eine klagende Stimme auf. Alles zusammen ergibt einen Teppich, der zu fliegen beginnt. Setz Dich drauf, trink ein Gläschen Tee und schwebe über sandige Landschaften. Mauretanische Mode lässt dein Herz höher schlagen. Group Doueh hinterlassen Spuren im Sand.
Erschienen bei Sublime Frequencies

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