Elektroakustischer Salon – Berlin, Berghain 16.12.2010

Am Donnerstag, dem 16.12. fand im Rahmen der Reihe „Elektroakustischer Salon“ im Berliner Berghain ein musikalischer Abend mit drei Künstlern statt. In sehr entspannter Atmosphäre eröffnete der Berliner Markus Popp mit seinem Projekt Oval vor ca. 250 Gästen. Wer sich im Laufe des Jahres von „Oh“ bis „O“ durch die aktuellen Oval-Veröffentlichungen gehört hatte, mag sich vielleicht gefragt haben, in wieweit akustische Tonquellen und Instrumente in das Live-Set einfließen würden. Tatsächlich arbeitete Markus Popp ausschließlich mit tragbarem Rechner und einem oder mehreren dem Publikum nicht näher einsehbaren Controllern.
Bei der Zusammenstellung des Sets lag sein Schwerpunkt ganz eindeutig auf meist mehrminütigen Tracks mit Schlagzeug-Samples, unterbrochen von eingeworfenen Miniaturen. Diese Auswahl verhinderte, dass der Auftritt in die Introvertiertheitsfalle tappte. Eine spannungsreiche Dramaturgiekurve zwischen poetischer Einkehr und jazzigen Ausbrüchen war gewährleistet. Perlige Lebendigkeit und von varierienden Pausen durchzogene Versponnenheit hielten sich gut austariert die Waage. Bei aller Rauhheit, bei aller Querständigkeit zu musikalischen Konventionen gelang es einem meist mit reichem mimischen Spiel wippenden Markus Popp die positive Ausstrahlung seiner Musik, einem gespannten Publikum zu vermitteln.
Danach kam Rechenzentrum. Für diesen Auftritt hatte Marc Weiser den Posaunisten Hilary Jeffery zu einem Duett eingeladen. Beide Musiker kennen sich durch ihre Mitarbeit beim Ensemble Zeitkratzer. Gemeinsam gelang es ihnen mühelos, zu Oval zu kontrastieren. Was vorher noch zerbrechlich, aber eher akademisch ernsthaft anmutete, kam nun mit großer dramatischer, aber auch lockerer Geste. Dunkle Flächen schichteten sich zu komplexen Klangverdichtungen, denen eine experimentierende Posaune immer noch einen Spannungspunkt draufsetzte. Gekonnt spielten die beiden Musiker mit dem Aufbau und dem Einreißen von improvisierten Klangschichtungen, die eindrucksvoll in psychedelische Tiefen drifteten.
Schließlich trat der aus Mexico stammende und inzwischen in Barcelona lebende Musiker Fernando Corona an, um den musikalischen Abend als Murcof abzurunden. Auch er überraschte mit einem wohltuenden Kontrast zum vorher Gehörten. Zum ersten Mal am Abend spielte rhythmische Stringenz eine Rolle; wenn auch sehr karg arrangiert, betont langsam im Tempo und dunkel in den Farben. Tiefe und Beat spielten sich nun kühl und elegant in den Vordergrund. Um so tiefer die Abgründe der Bässe sich entfalteten, um so theatralischer erschienen die wohlportionierten Pausen, die Murcof in sein Set baute. Leider überspannte Corona den Spannungsbogen im zweiten Teil etwas, in dem er mit solierender Sängerin ins etwas zu Sentimentale abdriftete. Dennoch war es am Ende ein exzellenter musikalischer Abend von konzentrierter Eigenständigkeit, der in Erinnerung bleiben wird.

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