Kino 2010

Das Kino-Jahr 2010 ist irgendwie an mir vorübergerauscht. Ich habe, wenn ich mich richtig erinnere nur zwei Filme gesehen. Früher war ich zwei Mal die Woche im Lichtspielhaus. Mein Gott war das toll. Mitgliedsausweise der Independent-Kinos zierten mein Portemonnaie. Was hat sich verändert? Ist man einfach lieber auf der heimischen Couch? Will man als Cineast nicht mit Rolltreppen und Nachos mit Käsedip genervt werden? Vielleicht sind ja auch die Filme einfach schlechter geworden.
Ich glaube, dass das Fernsehen sehr dazu gelernt hat. Tolle Serien wie Dexter, Lost, Breaking Bad oder Mad Men lassen einen nicht mehr vor die Tür. Mich haben dieses Jahr nur der neue Oskar Roehler-Film und Bad Lieutenant von Werner Herzog aus dem Haus gelockt. Schön war das Interview mit Roehler im Anschluss an die Premiere in Hamburg. Aufgebrachte Zuschauer beschimpften ihn und der konterte mit Klagen, die seine Rechtsabteilung einreichen werde. Betroffenheit, Hamburger-Snobismus und angebliche Geschichts- sowie Kinokenner wurden zu einer RTL-Posse. Daraus hätte man einen weiteren Film machen sollen. Erzürnte Zuschauer hauten auf Oskar ein. Ebenso tat es das ganze Land. Warum eigentlich? Hatte man nicht genau diesen Film von ihm erwartet? Ich schon. Oskar Roehler bleibt trotz der Kritik eine Schlüsselfigur deutscher Regisseure. Er liebt den Skandal und die grelle Performance seiner Schauspieler. Jud Süss ist ein Unterhaltungsfilm. Das muss man akzeptieren oder Guido Knopp einschalten. Hamburg hat das nicht verstanden. Deutschland auch nicht. Schade!
Werner Herzog hingegen schickte Nicolas Cage ins Rennen. Ähnlich wie Bleibtreu ein Schauspieler mit viel Potenzial. Oft nehmen beide leider Schwachsinnsrollen an. Das Geld juckt, da bleibt das Drehbuch auf der Strecke. Bleibtreu humpelte nun also den Goebbels, manisch überzeichnet mit leierndem rheinischen Dialekt. Schmierig und clownesk. Kann man so anlegen, muss man aber nicht.

Auch Cage dreht in Bad Lieutenant am Rad. Als korrupter Bulle mit Hang zu Drogen spielt er den Kinski für Herzog nach. Man freut sich, Cage mal wieder als Schauspieler zu sehen und nicht als Unterhemdträger in Flugzeugen mit Bomben an Bord. Cage steigert sich rein und Herzog lässt ihn spielen. Harvey Keitel ist zwar nicht vergessen, doch Cage gibt der alten Geschichte neue Facetten. Herzog behauptet zwar felsenfest, den Ferrara-Film nicht zu kennen, doch das ist schnuppe. Bad Lieutenant ist schwitziges, paranoides Kino mit tollen Kameraeinstellungen und Cage in Geberlaune. Punkt.
Beide Filme haben mich amüsiert und unterhalten. Nach beiden Vorstellungen habe ich noch lange diskutiert. Das ist es doch, was man von einem Kinoabend möchte. Fachsimpelei nach einem Kinobesuch ist doch die halbe Miete. Knutschen sollen die Kids.
Den verpassten Rest des Jahres gibt es nun in meinem Wohnzimmer auf DVD. Der Schrank platzt aus allen Nähten. Ich sollte 2011 mal wieder öfter ins Kino gehen, denn so langsam gleicht mein Wohnzimmer einer Bücherei, Videothek und Plattenabteilung. Die Menschen von slashfilm.com haben eine schöne Zusammenstellung der Filme 2010 gebastelt. In 6 Minuten bekommst Du 270 Filme vor den Latz geballert. Auch eine Lösung!
via boschblog

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