Spectrals – A Spectrals Extended Play

Manchmal sausen Platten an einem vorbei. Manchmal hat man Glück und Freunde empfehlen einen das Verpasste. Spectrals ist so eine Band, die man vielleicht übersieht. Band ist zu viel gesagt. Spectrals ist Louis Jones. Da fallen auf einmal Namen wie Phil Spector oder Morrissey. Man horcht genauer hin. Sixties-Pop gibt es als Siegel oben drauf. Da gab es viel 2010. Viele Mädelsbands haben veröffentlicht. Best Coast sind Everybodys Darling. Und die nehmen Spectrals als Vorband mit. Was macht denn Jones jetzt so?

Er ist toll. Unglaublich. Er mischt alles, was er liebt zu einer schönen dicken Soße an und verteilt mit einem kleinen Löffel seine kurzen Songs an Feinschmecker. Erst beim dritten Song spürt man seine Liebe für die Smiths, für Morrisseys Timbre und luftige Weinerlichkeit. Moshi Moshi war schnell zur Stelle. Das werden die Girls lieben und die Jungs werden auf Jones Finger starren und sich wünschen, rothaarig zu sein. Die EP ist wirklich ein gelungener Wurf. Die Surfromantik, die sechziger Jahre, der Flirtalbtraum sind so frisch und überraschend, dass man wieder zu Fassbier greift. Die Party muss zu Hause stattfinden. Vergesst diese Veranstaltungen mit Türsteher und Dresscode. Zu Hause wollen alle tanzen und rauchen. Mutti reicht den Käseigel, denn alle sind Vegetarier.
Jones doppelt seine Stimme dramatisch. Seine leicht daneben sitzenden Ausführungen klingen nach dem Live-Morrissey der letzten Jahre. Lo-Fi soll hier als Kompliment für die Produktion genannt werden, und nicht um ein Lebensgefühl mit dem Begriff zu verbinden. Wall Of Sound klingt hier nach Gummizelle und Grissini-Krümel. Spectrals bewegt sich natürlich im Schatten großer Namen, doch immer kommt ein Sonnenstrahl und lässt uns einen längeren Blick werfen. Die Gitarre glitzert, der Paartanz ist in vollem Gange. Man hört fast dieses laute Knutschen verliebter Vierzehnjähriger. Dreampop für schlaflose Nächte. Der Retro-Charme lässt Dich zwar nicht sofort deine IKEA-Möbel abbauen, doch du denkst drüber nach. Romantische Eskapaden kommen Dir in den Sinn. Schneeballschlachten hinter dem Haus deiner Eltern. Die Nachbarsmädchen waren nicht hübsch, aber reif.
Spectrals macht Lust auf seine im nächsten Jahr erscheinende Langspielplatte. Auch ein Wort, dass zu wenig benutzt wird. Ich bin hin und weg. EP des Jahres!

Erschienen bei Moshi Moshi

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