Felix Kubin & Ensemble Intégrales – Echohaus

Immer mehr Musiker, deren Sozialisation innerhalb des popmusikalischen Kontextes stattfand, suchen und finden die Kooperation mit akademisch Ausgebildeten. So jetzt auch Felix Kubin. Er erarbeitete das in Kürze erscheinende Album gemeinsam mit dem Ensemble Intégrales sowie dem Produzenten Tobias Levin.
Dabei wurde folgende Versuchsanordnung gewählt: um eine simultan zu erstellende Live-Aufnahme für das gesamte von Burkhard Friedrich geleitete Ensemble zu erreichen, dessen genaue Besetzung leider nicht benannt wird, wurden diverse Räume von Levins Electric Avenue Studio und darüber hinaus zusätzliche Räume in der Umgebung, die unterschiedlichste Hall- und Echoeigenschaften aufwiesen, verkabelt. So konnten die Klangeigenschaften jedes einzelnen Raums als natürliche Echokammer in die besondere Qualität der Produktion mit einfließen. Keine zusätzlichen Halleffekte wurden im Produktionsprozess später hinzugefügt. Uns so klingt „Echohaus“ auch, und das meine ich durchaus nicht negativ. Das Album erhält dadurch eine den Hörgewohnheiten nicht ganz konforme Klangeigenschaft, die bei mir Spannung erzeugt.
Allein daraus ergibt sich schon Überraschendes für Kenner der kubinschen Discografie. Die Anweisungen von Kubin an die ausführenden Musiker waren, so die Liner-Notes, als grafische Notation sehr offen gehalten und ließen dem Ensemble große Freiräume der Interpretation. Mit einer klanglichen und die Arrangements betreffenden Ausrichtung, die sich tatsächlich stark auf die Neue Musik des 20. Jahrhunderts bezieht, die aber eben in der Summe nicht nach großem Konzertsaal klingt, entsteht tatsächlich Beachtliches, was das Atmosphärische, den Raumklang angeht. Alle Verfremdungen akustischer Instrumente scheinen mechanisch herbeigeführt zu sein. Und so klingen allenfalls stellenweise der Musique Concrete verwandte Färbungen durch. Und die Bedeutung der Entstehungsprozesse von Musik und des Performativen werden auch bei dieser Produktion angehoben und hinterfragt, was zu begrüßen ist. Echohaus ist auch gerade jenen zu empfehlen, die schon beim letzten Klavierfestival „Tasten10“ von Weltausstellung und deren Beitrag dazu alles andere als enttäuscht waren.
Echohaus wird am 13. Dezember bei Dekorder erscheinen.

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