Drums Of Death – Generation Hexed

Zackig geht es zu. Die Schminke verläuft, denn immer wieder tauchen helle Blitze auf. Steht da Dave Gahan im Türrahmen? Der sieht aber schlecht aus. Fast wie tot. Colin Bailey, der Schotte aus London, baut sich eine Legende auf. Mit Totenkopfschminke gibt er den Düsterflegel, der zu einer Kostümparty geladen hat. Live hat er noch andere Skelette im Rücken. Retro-Dance mit dunklen Pfeilern sind auf seinem Debüt zu bestaunen. Nicht immer soll die Sonne verschwinden, doch einige Wolken hat Colin im schwarzen Turnanzug versteckt. Hoffentlich gibt es keine Pantomine!

Der chillige Opener ‘Karaoke’ verfälscht den Eindruck zuerst. Steigerung ist immer möglich. Man muss nur die richtigen Mittel benutzen. Bailey steckt seine Fratze gerne in alte 90er-Kisten. Vocal-House ist ihm da in die Finger gekommen. Doch mit Hektik versehen. Gonzales steuert in ‘Lonely Days’ eine Klavierperle bei, doch Colin ruht sich nicht auf Schönheit aus. Ein Anriss reicht. Jetzt wird verkittet. Er verwandelt einfache Grundsätze mit seiner Stimme und weirden Bassdrums. Oft gibt es den Propeller, der ausfransende Bassläufe mit hundertfacher Wiederholung in den Himmel jagt. Oder ist das die Hölle?
Drums Of Death versucht sich dem Electro-Pop mit der Totengräberschaufel zu nähern. Immer wenn es zu banal oder popsy wird, gibt es einen über den Schädel. Ravelaune wird wegdiskutiert. Mit zerhacktem Sprechgesang, der schon mal funky über die Flächen gleitet, kontert Bailey gegen Beliebigkeit. Schön gedoppelt mit Kopfstimme. Die Beats gehen in die Beine, doch man muss schon mit Stolpersteinen rechnen oder mit Stacheldraht. Erinnert in den Gesangpassagen irgendwie an Franz Ferdinand. Denk dir schlotzige Gitarren hinzu und du bist im Brit-Rock.
Schon ziemlich clever angelegt das Ganze. Große Posen werden nicht nur angekündigt, sondern auch dargestellt. Die Scheinwerfer sind so grell, dass nur noch Sonnenbrillen Schutz bieten. Tanz den Skeletor!
Die Tracks haben etwas stoisch Treibendes. Oft gibt es einen Hymnen-Einstieg und Bailey gibt den Brüller, dann beruhigt sich das Aufgemischte kurz, um dann die Party mit der Nintendo auszurufen. So richtig düster ist das nicht. Die Maske soll nur Angst machen. Hinter der Maske gibt es vielleicht ein verstecktes diabolisches Grinsen. Bailey mischt verschiedene Stile zu einer Brühe an, die wie Schlacke aussieht, aber dann doch süß schmeckt. Manchmal singt Bailey zu viel. Er hätte den Songs ein bisschen mehr Platz lassen können. Die Blitze stechen dann nicht immer. Trotzdem ein gutes Album, dass eine Party zu einer Sause werden lassen kann. Ich küsse Bailey auf die Wange und habe danach ganz weiße Lippen. Dass ist es doch, was Drums Of Death will. White Wave.
Erschienen bei Greco Roman/Rough Trade

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