Hauschka – Foreign Landscapes

Neuorientierung auf den Bühnen der Welt. Umverteilung als Programm. Lastenausgleich in Feinwebtechnik. Hauschka hat die Stücke auf „Foreign Landscapes“ mit sehr viel Gespür für jedes Detail in ungewohnter Art arrangiert. Was früher von zwei Händen und Klängen präparierter Saiten getragen wurde, entfaltet sich nun mit den Möglichkeiten eines ganzen Ensembles.
Das Magik Magik Orchestra stand dem Pianisten mit 12 Streichern und Bläsern bei der Einspielung Anfang des Jahres in San Francisco zur Seite. Was den Musiklehrer freuen mag: passagenweise ist die Kompositionsgenese anhand akustischer Spuren von linker und rechter Pianistenhand nachzuvollziehen, zumindest erscheint es mir so.
Akkordfächer gefüllt mit Celli und Klarinetten schrauben sich transponierend in ebenso erhabene wie nachdenkliche Höhen. Dabei werden sie von Violinen mit feinen Fassaden umrankt. Aus kleinen Motiven ergeben sich viele tragfähige Klanggebäude. Eine selbstbewusste Statik wird geschaffen.
Mal verhalten im Adagio, dann stehen die Klarinetten im Vordergrund. Verfolgend schieben Posaunen gravitätisch von hinten nach. Unidentifizierte Geräuscheinwürfe würzen homöopathisch mit Atmosphärischem. Dann wieder ein Wechsel in aufgeregteres Tempo, Streicher übernehmen die Führung. Dabei verharren die harmonischen Muster in einer Offenheit nach allen Seiten. Keine Trauer, keine Hymnen, stattdessen Einkehr, Reflektionsflächen.
Denn auf „Foreign Landscapes“ finden sich glücklicherweise keine harmonischen Auflösungen. Das wäre zu traditionell, zu konventionell gewesen, und würde auch nicht zu Hauschkas früheren Arbeiten passen. Allein Tempo und Arrangementdichte bestimmen die Albumdramaturgie. Dieses Kompositionsprinzip überzeugt über die gesamte Albumlänge wie einst bei Die Knödel, deren Ansatz hier weiter entwickelt wird. Die nie von Effekten getragene Spannung hält ohne Einbrüche. So hat Volker Bertelmann ein, wenn auch nicht unbedingt innovatives, so doch ein Album von betörender Schönheit geschaffen, das sich durch pianistische Zurückhaltung in abwechslungsreicher Variante zeigt.
„Foreign Landscapes“ ist im Oktober bei FatCat erschienen.

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