Klassiker: The Mummies – Never Been Caught

Die Mummies sind schon eine lustige Truppe. Ihr Credo lautet: Budget Rock. Budget Rock lehnt Professionalität konsequent ab. Die Instrumente müssen Ausrangierte sein, die bestenfalls noch ein wenig defekt sein könnten. Gut, nach einem Gig konnte man davon ausgehen. Herrliches Dogma. The Mummies halten sich an ihre Regeln und fahren gut damit.
Ihre Mischung aus Surf Rock, 50’s und 60’s Garage Rock und Rock ‘N’ Roll fasziniert. Von Organist und Sänger Trent Ruane 1988 gegründet zählt die Combo bis heute zu den beklopptesten und mutigsten Vertretern ihres Genres. Ihr Outfit ist natürlich genauso bahnbrechend, wie ihr Hang zu Zerstörung bei ihren Live-Shows. Die Orgel wird ständig umgeworfen. Mikrofonständer werden sekündlich geklebt und der Schweiß läuft durch die Kostüme. Fuck Offs sind Liebesschwüre. Die Mumien-Outfits wirken toll und billig zugleich. Keinen der Bandmitglieder kann man erkennen. Warum auch? Man weiß doch, dass das die Mumien sind.

Die Songs sind zackig und ohne Attitüde aufgenommen. Alles rauscht und San Francisco brennt lichterloh. Nach einigen Singles erscheint die Zusammenstellung ‘The Mummies Play Their Own Records’. Doch die erste richtige LP ist das Meisterstück der Band. ‘Never Been Caught’ reißt einen aus der Lethargie. Mit ungestümen Willen und Einsatz geben sich die Mumien ihrem Rock hin. Auch die instrumentalen Nummern gehen in die Hüfte. Herrlich angenockt wirken manche Lieder, die sich schon mal so weit aus dem Sarg lehnen, dass sie zu stürzen drohen. Doch Sänger Ruane hält den Fuß drauf und genießt den Schmerzensschrei. Die Stimme kommt schön verzerrt unter dem Leichentuch hervor. Die Gitarre spielt sich bluesrocktypisch an der Musik vorbei. Ein Solo sprengt schon mal das Korsett. Die Drums sind schnell und spritzig, und wissen in den Wirbeln zu überzeugen. Die HiHat läuft quasi durch und macht nur in den Pausen keinen Lärm. Die Rakete wird gezündet, die Mumien wissen, wie man eine Party feiert, auch ohne ausgewiesene Experten zu sein. Kein Song erreicht die Drei-Minuten-Grenze. Es muss schnell zu Ende gehen. Strophe, Refrain, Strophe, Solo, Refrain. Das klingt nach mehr, als es in Wirklichkeit ist.

18 Songs fasst das Album, das nie versucht sich anzubiedern oder unkonventionell zu sein. Es gibt Songs. Basta. Das da nicht die Topwendungen in den Stücken warten, ist von Anfang an klar. Hier geht es um Party, um Klang, um Krach, um Blues und Rock der alten Schule. Schweiß ist die Währung und die Gitarre die Penisverlängerung. Ein knackiges Debütalbum, das in seinen besten Momenten glänzt und gute Laune macht. Die billige Liveatmo lässt dich im Wohnzimmer auf das Sofa hüpfen. Mit der Klorolle in der Hand jagst du deine Freundin. Das Dosenbier spuckt ihr euch gegenseitig ins Gesicht. Beste Garagenband aller Zeiten. ‘Skinny Minnie’ hatte wohl danach nie mehr diesen Wüstenstaub auf der Haut. Beste Kostümband, die nicht wie Kiss mit Kunstblut spielt, sondern falls es Blut gab, mit echten Verletzungen zu kämpfen hatte. Achtung, da fliegt die Orgel schon wieder! Kopf einziehen!
‘Never Been Caught’ erschien 1992 auf Vinyl bei Telstar und 2001 auf CD

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