Helloween – 7 Sinners

Manchmal lebt totgesagte Musik länger, als einem lieb ist. Helloween melden sich zurück. Das wird viele verwundern und überraschen. Was hat diese Band nicht schon alles mitgemacht? So viele Personalwechsel hat wohl keine Band überstanden. Rechtsstreitereien und ein Todesfall sind nur das Sahnehäubchen. Nun sind sie also im Jahr 2010 angekommen. Die Drums poltern ungestüm mit viel Tom-Einsatz. Die Gitarren kann man als wuchtig beschreiben. Haben die Gitarren einmal ein Riff für sich entdeckt, gniedeln sie es bis zur nächsten Schnapsidee. Die Keyboards geben den Songs das Dramatische und den Umhang. Manchmal aber auch den Weichspüler und die Windmaschine.
Soli werden eingeworfen, wie Kusshände. Knackige Breaks poltern schon mal über fast poppig angelegte Mittelteile. Ob der Heavy Metal-Zirkus das alles gut heißt? Helloween haben ein bisschen Angst vor der eigenen Rolle in diesem Business. Sie wissen, welche Rolle sie mal gespielt haben und das hängt ihnen in den Haaren und Stimmbändern. Das Tempo ist angenehm, der Wunsch nach Verbrüderung mit den Fans klingt in jedem als Hymne angelegten Song. Lasst uns alle miteinander feiern. Lasst uns aber auch nachdenklich und traurig sein. Jeder Refrain sprüht vor Klischees. Deine Aufnäher auf der Jeansjacke sind schon mehr als bleich.

Man liest, dass das Album ohne Klick eingespielt wurde. Okay, das soll dann Authentizität beisteuern. Hier wurde noch malocht und nicht getrickst. Die Instrumente wurden auf 432 Hertz eingestimmt, statt auf 440. Ach so. Hier geht es um ein Klangbild, das große Ganze. Unnötiger Nerdkram. Die Songs müssen stimmen. Es gibt entspannte Momente, die gerade von den Keyboard-Fanfaren getragen werden. Die wilden Temponummern überschlagen sich manchmal selbst und werden nur noch von den Backgroundgesängen überholt. Melodien und Tempo gehen eine Liebesbeziehung ein. Haare fliegen durch die Kürbissuppe, die vor lauter Doublebass-Gekloppe schon mehr als cremig ist.
Das Line-up um Sänger Andi Deris, Gitarrist Sascha Gerstner, Schlagzeuger Dani Löble sowie die beiden Gründungsmitglieder – Gitarrist Michael Weikath und Bassist Markus Grosskopf gehen jetzt auf Welttournee. Wahre Fans, so liest man ordnen die neue Scheibe gleich hinter den beiden ersten Keeper-Werken ein. Kürbisköpfe halt.
Erschienen bei DRA (Sony BMG)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.